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Berlin, München, Leipzig: Was vom Gehalt nach der Miete wirklich übrig bleibt

München zahlt am besten? Nach der Miete sieht die Rechnung anders aus. Median-Gehälter und Angebotsmieten für Berlin, München und Leipzig im Vergleich.

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"Geh nach München, da verdienst du am meisten." Diesen Satz hörst du, sobald du einen Umzug für den Job auch nur erwähnst. Er stimmt sogar, wenn du nur auf die Gehaltsabrechnung schaust. Nur zahlt niemand seine Miete mit dem Bruttogehalt. Was am Monatsende zählt, ist die Zahl, die nach Steuern, Sozialabgaben und Kaltmiete übrig bleibt. Und sobald du die einrechnest, verliert München einen großen Teil seines Vorsprungs.

Dieser Artikel rechnet drei Städte gegeneinander, die für Jobsuchende in Deutschland ständig zur Debatte stehen: Berlin, München und Leipzig. Alle Zahlen kommen aus offiziellen Quellen und sind so aktuell wie möglich. Am Ende siehst du, wo dein Median-Gehalt dich tatsächlich am weitesten trägt.

Was die drei Städte im Median zahlen

Fangen wir beim Verdienst an, und zwar mit dem Median, nicht dem Durchschnitt. Der Median ist die Zahl in der Mitte: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger. Wenige Spitzengehälter ziehen ihn nicht nach oben, deshalb ist er ehrlicher als der Durchschnitt.

Laut Bundesagentur für Arbeit lag das Medianentgelt aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in Deutschland Ende 2024 bei 4.013 Euro brutto im Monat. Für München nennt dieselbe Statistik 5.362 Euro, einer der höchsten Werte aller deutschen Städte. Leipzig liegt bei 3.784 Euro, laut Bundesagentur für Arbeit rund 396 Euro über dem sächsischen Median von 3.388 Euro, aber deutlich unter dem Bundeswert. In Leipzig verdienen Männer im Mittel 3.847 Euro, Frauen 3.696 Euro.

Für Berlin greife ich auf das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg zurück, das den mittleren Bruttomonatsverdienst der Vollzeitbeschäftigten für April 2024 mit 4.190 Euro angibt. Berlin liegt damit über dem Bundesschnitt, aber gut 1.100 Euro unter München.

Die Rangfolge beim Brutto ist also eindeutig: München vorn, Berlin in der Mitte, Leipzig hinten. Wer nur diese Spalte betrachtet, packt die Kisten und fährt nach Bayern. Das Problem beginnt bei der zweiten Spalte.

Was die Miete auffrisst

Für jemanden, der für einen Job umzieht, zählt nicht die alte Bestandsmiete, sondern das, was gerade neu angeboten wird. Genau das misst der WohnBarometer von ImmoScout24. Für Bestandswohnungen im vierten Quartal 2024 nennt ImmoScout24 folgende Angebotsmieten pro Quadratmeter: München 21,22 Euro, Berlin 14,11 Euro und Leipzig 8,49 Euro. In allen drei Städten stiegen die Mieten im Jahresvergleich um rund sechs Prozent, in München um 6,0 Prozent, in Berlin um 6,4 Prozent und in Leipzig um 6,1 Prozent.

Der Abstand ist brutal. Eine Wohnung in München kostet pro Quadratmeter zweieinhalbmal so viel wie in Leipzig. Dass München beim Mietpreis vorn liegt, bestätigt auch der Immobiliendienstleister JLL, der die Stadt in seinem Wohnungsmarktüberblick für das zweite Halbjahr 2025 als teuersten Markt der acht größten deutschen Städte führt, während Leipzig dort der günstigste bleibt.

Das höhere Münchner Gehalt trifft also auf eine Miete, die alles wieder einsammelt. Ob am Ende trotzdem mehr übrig bleibt, entscheidet sich erst in der konkreten Rechnung.

Die Rechnung: Anna, 60 Quadratmeter, drei Städte

Nehmen wir Anna, 30 Jahre alt, alleinstehend, Steuerklasse I, keine Kirchensteuer, gesetzlich krankenversichert. In jeder Stadt verdient sie den lokalen Median und mietet eine Wohnung mit 60 Quadratmetern zur ortsüblichen Angebotsmiete. Vom Brutto ziehe ich mit einem gängigen Brutto-Netto-Rechner (Steuerklasse I, 2026) die Steuern und Sozialabgaben ab. Zur Einordnung: Bei 3.800 Euro brutto bleiben in Steuerklasse I rund 2.439 Euro netto, bei 5.000 Euro rund 3.130 Euro.

München: 5.362 Euro brutto ergeben rund 3.330 Euro netto. Die 60-Quadratmeter-Wohnung kostet 60 mal 21,22 Euro, also 1.273 Euro Kaltmiete. Nach der Miete bleiben Anna rund 2.057 Euro.

Berlin: 4.190 Euro brutto ergeben rund 2.690 Euro netto. Die Miete beträgt 60 mal 14,11 Euro, also 847 Euro. Übrig bleiben rund 1.843 Euro.

Leipzig: 3.784 Euro brutto ergeben rund 2.430 Euro netto. Die Miete liegt bei 60 mal 8,49 Euro, also 509 Euro. Nach der Miete bleiben rund 1.921 Euro.

Lies die drei Zahlen am Ende noch einmal: München 2.057 Euro, Leipzig 1.921 Euro, Berlin 1.843 Euro. München bleibt vorn, aber der Vorsprung schrumpft von über 1.500 Euro beim Brutto auf gut 130 Euro nach der Miete. Und Leipzig, die Stadt mit dem niedrigsten Gehalt, überholt Berlin. Der Grund ist simpel: In Leipzig frisst die Kaltmiete rund 21 Prozent des Nettos, in Berlin dagegen etwa 31 Prozent.

Das ist kein Rechentrick. Es ist die logische Folge davon, dass Berlins Mieten fast so schnell steigen wie Münchens, während die Gehälter nicht mithalten.

Eine Warnung zur Rechnung: Ich habe hier bewusst nur die Kaltmiete verwendet, weil sie sich zwischen den Städten sauber vergleichen lässt. Auf deiner echten Abrechnung stehen zusätzlich die Nebenkosten für Heizung, Wasser und Hausverwaltung, oft ein bis zwei Euro pro Quadratmeter obendrauf. In der teuren Wohnung schlägt das stärker durch, weil du für dieselbe Größe mehr Grundfläche und damit mehr Nebenkosten hast. Wer die Warmmiete einsetzt, sieht München also noch etwas näher an Leipzig heranrücken. Auch der Arbeitsweg gehört ehrlicherweise in die Rechnung: Eine günstige Wohnung am Stadtrand mit 40 Minuten Fahrt kostet dich Zeit und ein Monatsticket, eine teure in der Innenstadt spart beides. Die reine Kaltmiete ist der Startpunkt, nicht die ganze Wahrheit.

Warum die Bestandsmiete die Zahlen verzerrt

Ein ehrlicher Einwand: Nicht jeder zahlt die Angebotsmiete. Wer seit Jahren in derselben Berliner Wohnung wohnt, zahlt dank Mietspiegel und Mietpreisbremse oft deutlich weniger als die 14,11 Euro pro Quadratmeter, die ImmoScout24 für neue Inserate ausweist. Der Zensus 2022 wies für ganz Deutschland eine durchschnittliche Nettokaltmiete im Bestand von 7,28 Euro pro Quadratmeter aus, während neu inserierte Wohnungen bei 9,66 Euro lagen. Die Lücke zwischen Alt- und Neuvertrag ist real, und in Berlin ist sie besonders groß.

Für dich als Jobsuchende ändert das nichts an der Rechnung. Wenn du für eine Stelle umziehst, unterschreibst du einen neuen Vertrag zur aktuellen Angebotsmiete. Die günstigen Altverträge sind für dich nicht zu haben, außer du hast Glück oder gute Kontakte. Genau deshalb ist die Angebotsmiete die richtige Zahl, wenn du eine Stadt für den nächsten Job bewertest.

Was du dagegen beeinflussen kannst, ist die Wohnungsgröße und die Lage. In Leipzig bekommst du für 850 Euro Kaltmiete rund 100 Quadratmeter, in München nicht einmal 40. Wer flexibel bei der Größe ist, verschiebt die Rechnung noch einmal spürbar.

Was das für deine Gehaltsverhandlung heißt

Die praktische Lehre ist nicht "zieh nach Leipzig". Sie lautet: Verhandle dein Gehalt immer mit der lokalen Miete im Kopf. Ein Angebot über 5.000 Euro in München ist nach der Miete weniger wert als 4.200 Euro in Leipzig. Wenn ein Arbeitgeber dich nach München holen will, ist ein Aufschlag von zehn oder fünfzehn Prozent gegenüber deinem jetzigen Gehalt oft nur ein Ausgleich für die Miete, kein echter Zugewinn.

Rechne vor dem Gespräch drei Zahlen aus: dein erwartetes Netto, die realistische Kaltmiete für die Wohnung, die du brauchst, und was danach übrig bleibt. Diese letzte Zahl ist dein echtes Verhandlungsziel. Nenn im Gespräch ruhig die Angebotsmieten, sie sind öffentlich und niemand kann sie dir wegdiskutieren. Ein Personaler, der weiß, dass eine 60-Quadratmeter-Wohnung in München über 1.200 Euro kostet, versteht sofort, warum du für einen Umzug mehr willst als die üblichen paar Prozent.

Und wenn du dich ohnehin neu bewirbst: Ein Lebenslauf, der auf die Stelle und den Standort zugeschnitten ist, verschafft dir überhaupt erst die Position, aus der heraus du fordern kannst. Mit Laddro passt du deinen Lebenslauf in Minuten an jede Ausschreibung an, egal ob sie in Berlin, München oder Leipzig ausgeschrieben ist.

Fazit

Das Bruttogehalt sagt dir, was ein Job auf dem Papier wert ist. Was nach Steuern und Miete übrig bleibt, sagt dir, wie du tatsächlich lebst. Für Anna und ihre 60 Quadratmeter liegt München mit rund 2.057 Euro knapp vorn, aber Leipzig schlägt mit rund 1.921 Euro das teurere Berlin mit rund 1.843 Euro. Der Grund ist nicht das Gehalt, sondern die Miete.

Nimm die Zahlen deiner Wunschstadt, setz sie in die gleiche kurze Rechnung ein und entscheide erst dann. Rechne dabei mit deinem eigenen Median, deiner geplanten Wohnungsgröße und der aktuellen Angebotsmiete, nicht mit dem, was ein Kollege vor fünf Jahren gezahlt hat. Der höchste Lohn ist nicht automatisch das beste Leben.