Lebenslauf als Friseur: Muster, Aufbau und Techniken
So schreibst du als Friseur oder Friseurin einen Lebenslauf, der zum Probearbeiten führt: Aufbau, Techniken, Gesellenbrief und ein Muster zum Abschreiben.
Laddro Team

Ende 2025 waren nach Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks 80.119 Friseursalons in die Handwerksrolle eingetragen, 245 weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig meldet der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks für 2025 ein Umsatzplus von 2,2 Prozent, und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg nach Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung und des ZDH auf 7.497, also 543 mehr als im Vorjahr. Weniger Betriebe, mehr Nachwuchs, stabile Nachfrage: Salons stellen ein.
Trotzdem hörst du auf viele Bewerbungen nichts. Das liegt selten am Können. Es liegt daran, dass in fast jedem Friseur-Lebenslauf dasselbe steht: waschen, schneiden, föhnen, beraten, Kasse. Damit kann eine Salonleitung nichts anfangen, weil das die Grundmenge ist, die sie bei jeder Bewerbung voraussetzt. Entschieden wird über deine Techniken, deine Zahlen und deine Nachweise.
Was im Salon zuerst gelesen wird
Wer im Friseurhandwerk einstellt, ist meistens selbst Meisterin oder Meister und steht zwischen zwei Terminen am Schreibtisch. Diese Person überfliegt deinen Lebenslauf in etwa einer halben Minute und sucht vier Dinge:
- Hast du den Gesellenbrief, und von welcher Handwerkskammer aus welchem Jahr?
- Was kannst du technisch, vor allem in der Coloration und im Herrenfach?
- Wie viele Bedienungen schaffst du am Tag, und bringst du Stammkunden mit?
- Passt du in den Dienstplan, also Samstag, lange Donnerstage, Vollzeit oder Teilzeit?
Alles, was diese vier Fragen nicht beantwortet, kostet Platz. Genau deshalb funktionieren allgemeine Lebenslauf-Vorlagen im Friseurhandwerk so schlecht: Sie geben dem Kurzprofil und den Hobbys viel Raum und quetschen die Techniken in eine Zeile.
Der Aufbau, den die Bundesagentur empfiehlt
Die Bundesagentur für Arbeit ist in ihrem Bewerbungsratgeber klar: Der Lebenslauf gehört tabellarisch aufgebaut, zeitlich absteigend sortiert und soll höchstens zwei DIN-A4-Seiten umfassen. Das Anschreiben soll möglichst nicht länger als eine Seite sein. Zeugnisse und Zertifikate legst du bei, aber nur die, die für die Stelle nötig sind.
Zum Foto: Es ist keine Pflicht, und die Bundesagentur weist darauf hin, dass manche Arbeitgeber anonymisierte Lebensläufe ohne Foto und ohne Angaben zu Herkunft oder Geschlecht erwarten. Im Friseurhandwerk ist das trotzdem eine Besonderheit. Dein Auftreten ist Teil der Dienstleistung, und viele Salons schauen bewusst hin. Ein aktuelles, gut gemachtes Foto ist hier eher ein Vorteil als in anderen Branchen. Verpflichtet bist du dazu nicht.
Für einen Friseur-Lebenslauf funktioniert diese Reihenfolge:
- Kontaktdaten mit Name, Wohnort, Telefonnummer und einer seriösen E-Mail-Adresse
- Kurzprofil, drei bis vier Zeilen mit Berufsjahren, Schwerpunkt und gewünschtem Umfang
- Berufserfahrung mit Monat und Jahr, Salon, Ort, Position und Stichpunkten
- Techniken und Dienstleistungen, der Block, auf den es hier ankommt
- Ausbildung mit Ausbildungssalon, Handwerkskammer und Prüfungsjahr
- Weiterbildungen, Seminare und Herstellerkurse mit Anbieter und Jahr
- Sprachen, Arbeitszeiten, Führerschein
Punkt vier steht bewusst vor der Ausbildung. Wenn du sechs Jahre am Stuhl stehst, interessiert die Salonleitung zuerst, was du beherrschst, und erst danach, wo du gelernt hast. Bei Berufseinsteigern drehst du die beiden Punkte um. Eine Seite reicht in diesem Handwerk übrigens fast immer aus, auch wenn zwei erlaubt sind.
Techniken und Dienstleistungen: der Block, der dich unterscheidet
Hier entscheidet sich, ob du eingeladen wirst. Schreib nicht "Damen und Herren", sondern was du tatsächlich am Stuhl machst. Nimm auf, was zutrifft:
- Coloration: Foliensträhnen, Balayage, Airtouch, Blondierung mit Angabe der Aufhellungsstufen, Farbkorrektur nach Fremdcoloration, Grauabdeckung
- Schnitttechnik: Klassikschnitt, Trockenschnitt, Curly Cutting, Undercut, Fade mit der Maschine
- Herrenfach: Bartpflege, Konturenschnitt, klassische Messerrasur mit heißem Handtuch
- Umformung: Dauerwelle, Volumenwelle, Keratinglättung
- Verlängerung und Verdichtung mit den Systemen, die du gelernt hast, etwa Bonding oder Tape
- Anlässe: Hochsteckfrisuren, Braut-Styling inklusive Probetermin, Make-up
- Beratung und Diagnose: Haar- und Kopfhautanalyse, Typberatung, Umgang mit Reklamationen
- Produktlinien, mit denen du gearbeitet hast, etwa Wella, L'Oréal Professionnel, Schwarzkopf Professional, Goldwell oder Olaplex
- Salonorganisation: Terminvergabe über Salonsoftware, Kassenführung, Warenwirtschaft und Bestellungen, Hygieneplan
- Verkauf: Pflege- und Stylingprodukte, gern mit deinem Anteil am eigenen Umsatz
Lass die Balken und Sternchen weg, die viele Vorlagen anbieten. Vier von fünf Punkten hinter "Balayage" sagen niemandem etwas, weil die Leserin deine Skala nicht kennt. Schreib stattdessen: "Balayage seit dem Wella-Seminar 2023, etwa acht Kundinnen pro Woche."
Vorher und nachher: eine Station zum Abschreiben
Die folgenden Angaben sind ein erfundenes Muster und keine echte Person. Sie zeigen den Unterschied zwischen einer Aufgabenliste und einer Station, die etwas belegt.
Vorher
03/2021 bis heute, Salon Beispiel, Leipzig, Friseurin
- Haare waschen, schneiden, föhnen
- Kunden beraten
- Kasse und Termine
Nachher
03/2021 bis heute, Salon Beispiel, Leipzig, Friseurin (Vollzeit, Fünf-Tage-Woche mit Samstagsdienst)
- 10 bis 14 Bedienungen am Tag im Damen- und Herrenfach, Schwerpunkt Coloration
- Foliensträhnen, Balayage und Blondierungen, dazu Farbkorrekturen nach misslungener Heimcoloration
- eigener Stammkundenstamm von rund 120 Personen, Terminvergabe über die Salonsoftware
- Zusatzverkauf Pflege und Styling mit rund 18 Prozent Anteil am eigenen Bedienungsumsatz
- Einarbeitung von zwei Auszubildenden am Waschplatz und beim Föhnen
Der zweite Block ist kaum länger, aber er beantwortet alle vier Fragen von oben. Und er gibt der Salonleitung etwas, worüber sie im Gespräch reden kann.
Ausbildung und Nachweise richtig eintragen
Nach der Verordnung über die Berufsausbildung zum Friseur und zur Friseurin von 2008 dauert die Ausbildung drei Jahre. Die Gesellenprüfung ist gestreckt: Teil 1 liegt in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres und geht mit 25 Prozent in das Gesamtergebnis ein, Teil 2 am Ende der Ausbildung mit 75 Prozent. Wenn du also mitten in der Ausbildung wechselst, schreib den bestandenen Teil 1 hin. Das ist ein echter Nachweis und kein Halbsatz.
So sieht der Eintrag aus:
09/2015 bis 07/2018, Ausbildung zur Friseurin, Salon Beispiel, Leipzig Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer zu Leipzig, Juli 2018
Zum Schulabschluss: Die Bundesagentur für Arbeit hält im BERUFENET fest, dass für die Ausbildung rechtlich keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben ist, Betriebe sich aber überwiegend für Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss entscheiden. Wenn dein Abschluss länger zurückliegt und du Berufsjahre hast, reicht eine Zeile dafür.
Der Meisterbrief ist im Friseurhandwerk mehr als eine Zierde. Das Friseurhandwerk steht in Anlage A der Handwerksordnung und ist damit zulassungspflichtig. Ohne Meisterbrief oder gleichgestellte Berechtigung trägt dich die Handwerkskammer nicht in die Handwerksrolle ein, und ohne diese Eintragung darfst du keinen eigenen Salon führen. Für Angestellte heißt das: Der Meisterbrief ist auch dann ein starkes Signal, wenn du gar nicht gründen willst, weil er dich als möglichen Betriebsleiter oder als Ausbilderin qualifiziert. Setz ihn mit Kammer und Jahr direkt unter das Kurzprofil.
Das Kurzprofil: drei Zeilen, die den Rest tragen
Viele Friseur-Lebensläufe fangen mit einem Satz an, der auf jeden passt: motiviert, teamfähig, kundenorientiert. Streich ihn. Die drei Zeilen ganz oben sind der einzige Teil, den fast jede Leserin wirklich liest, also gehören dort Abschluss, Berufsjahre, Schwerpunkt und dein gesuchter Arbeitsumfang hin. Das folgende Kurzprofil ist wieder ein erfundenes Muster:
"Friseurmeisterin mit Meisterbrief der Handwerkskammer zu Leipzig aus dem Jahr 2023 und neun Jahren Salonerfahrung. Schwerpunkt Coloration und Farbkorrektur, sicher im Herrenfach inklusive Messerrasur. Sucht eine Vollzeitstelle in Leipzig oder Halle, gern mit Verantwortung für die Auszubildenden."
Drei Sätze, und die Salonleitung weiß, ob sie weiterlesen muss. Passe die Ortsangabe und den Schwerpunkt für jede Bewerbung an. Wenn der Salon in der Anzeige vor allem Brautfrisuren und Hochsteckfrisuren sucht, gehört genau das in die zweite Zeile und nicht die Coloration.
Wiedereinstieg, Teilzeit und Quereinstieg
Das Friseurhandwerk hat viele Lebensläufe mit Unterbrechungen, und die Salons wissen das. Eine Elternzeit, eine Pause nach einer Salonschließung oder ein Zwischenjahr im Einzelhandel schaden dir nicht, solange sie benannt sind. Schreib die Unterbrechung mit Monat, Jahr und einem Stichwort hin, also etwa "07/2022 bis 09/2023, Elternzeit". Ein leerer Zeitraum wirft mehr Fragen auf als der ehrliche Eintrag.
Wenn du länger als zwei Jahre raus warst, nenne im Kurzprofil, was du seither aufgefrischt hast: ein Herstellerseminar, ein Kurs bei der Innung oder auch nur die Tatsache, dass du im Bekanntenkreis weiter geschnitten hast. Für Teilzeit gilt: Schreib den gewünschten Umfang und deine möglichen Tage direkt in den Lebenslauf. Der Dienstplan ist im Salon das Hauptproblem, und wer dazu früh etwas sagt, spart beiden Seiten ein Gespräch.
Quereinsteigerinnen ohne Gesellenbrief haben es im zulassungspflichtigen Handwerk schwerer, aber nicht unmöglich. Der übliche Weg führt über eine Anstellung als Salonhilfe am Waschplatz und danach über eine verkürzte Ausbildung oder eine Externenprüfung bei der Handwerkskammer. In deinem Lebenslauf zählt dann alles, was Kundenkontakt und Handfertigkeit belegt.
Wo du dich bewirbst, und wie es danach weitergeht
Drei Wege decken den Markt gut ab: die Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit, Indeed und die Fachbörse friseur-job.de. Dazu kommt der Weg, der im Friseurhandwerk immer noch am besten funktioniert, nämlich persönlich mit der Mappe in den Salon zu gehen, in dem du arbeiten willst. Geh nicht am Samstagnachmittag, sondern am Vormittag unter der Woche.
Rechne fest damit, dass nach dem Gespräch ein Probearbeiten kommt, oft ein halber oder ganzer Tag am Stuhl. Nimm dein eigenes Werkzeug mit. Wenn du Fotos deiner Arbeiten hast, verlink sie im Lebenslauf als einfache Zeile mit deinem Instagram-Profil oder einem Ordner, aber nur, wenn die Bilder wirklich gut sind und du die Einwilligung der Kundinnen hast.
Ein Wort zum Geld, weil es in diesem Handwerk oft knapp ist: Der gesetzliche Mindestlohn liegt nach der Ankündigung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales seit dem 1. Januar 2026 bei 13,90 Euro je Zeitstunde und steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro. Das ist die Untergrenze, nicht dein Ziel. In den Lebenslauf gehört keine Gehaltsvorstellung. Die nennst du im Anschreiben, und auch nur dann, wenn die Anzeige ausdrücklich danach fragt.
Die letzten fünf Minuten vor dem Absenden
- Steht der Gesellenbrief mit Kammer und Jahr auf der ersten Seite?
- Hat jede Station Monat und Jahr, damit keine Lücke wie ein Rätsel aussieht?
- Stehen mindestens fünf konkrete Techniken im Lebenslauf, nicht nur "Damen und Herren"?
- Ist mindestens eine Zahl drin, etwa Bedienungen pro Tag oder Stammkunden?
- Ist der Dateiname sauber, also nachname-vorname-lebenslauf.pdf und nicht Dokument1?
- Ist es eine PDF-Datei, kein Word-Dokument und kein Foto vom Ausdruck?
Wenn du beim Aufbau nicht bei null anfangen willst, kannst du den Lebenslauf mit dem geführten Editor von Laddro zusammenstellen und die Technik-Sektion direkt an den Salon anpassen, bei dem du dich bewirbst.
Der Rest ist Handwerk. Ein Salon stellt niemanden ein, weil ein Lebenslauf schön aussieht. Er lädt dich ein, weil er nach dreißig Sekunden weiß, was du kannst, wann du kannst und was du an den Stuhl mitbringst.