Lebenslauf als Sicherheitskraft mit § 34a Sachkunde
Lebenslauf für den Sicherheitsdienst: wo Unterrichtung, Sachkunde nach § 34a und Bewacher-ID hingehören, plus ein Muster mit Zahlen statt Aufgabenlisten.
Laddro Team

Eine Bewerbung im Sicherheitsdienst wird anders gelesen als eine im Büro. Der Disponent, der deine Unterlagen öffnet, sucht zuerst nach vier Dingen: Hast du die Unterrichtung oder die Sachkundeprüfung nach § 34a? Bist du im Bewacherregister eingetragen? Kannst du Schicht? Kommst du nachts zum Objekt? Steht das nicht sofort da, landet der Lebenslauf auf dem Stapel für später, und später ist die Stelle besetzt.
Die Branche stellt weiter ein. Der BDSW meldete in seiner Pressemitteilung vom 12. März 2026 zum Stichtag 30. Juni 2025 insgesamt 290.871 Beschäftigte in der Sicherheitswirtschaft, davon 276.987 allein bei den privaten Wach- und Sicherheitsdiensten, bei einem Branchenumsatz von 14,02 Milliarden Euro für 2024. Im Februar 2026 zählte der Verband 5.478 offene Stellen. Es gibt also Bedarf. Nur bewirbt sich auf jede Ausschreibung eben auch eine Menge Leute mit denselben drei Zeilen im Lebenslauf.
Was im Bewachungsgewerbe zuerst geprüft wird
Für jede gewerbliche Bewachungstätigkeit brauchst du mindestens die Unterrichtung nach § 34a der Gewerbeordnung. Die Bewachungsverordnung schreibt dafür in § 4 mindestens 40 Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten vor und verlangt für die Teilnahme Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1. Diese Unterrichtung ist keine Prüfung, sondern eine Anwesenheitspflicht bei der IHK. Sie reicht für Pförtner, Empfangsdienste und den einfachen Objektschutz.
Für die konfliktträchtigen Einsätze reicht das nicht. Die IHK Frankfurt am Main nennt als sachkundepflichtig unter anderem Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum, Kaufhausdetektive, Einlasskontrollen im Gastgewerbe, die Bewachung von Flüchtlingsunterkünften und leitende Funktionen bei zugangsgeschützten Großveranstaltungen. Die Sachkundeprüfung besteht dort aus einem schriftlichen Teil von 120 Minuten und einer mündlichen Prüfung von etwa 15 Minuten; die IHK Frankfurt am Main weist dafür eine Gebühr von 205 Euro aus, 137 Euro für die Wiederholung des mündlichen Teils. Geprüft werden nach der Bewachungsverordnung Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung inklusive Gewerberecht, Datenschutzrecht, Bürgerliches Gesetzbuch, Straf- und Strafverfahrensrecht samt Umgang mit Waffen, Unfallverhütungsvorschriften, Umgang mit Menschen mit Deeskalation sowie Grundzüge der Sicherheitstechnik.
Dazu kommt das Bewacherregister beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Dein Arbeitgeber meldet dich dort vor dem ersten Einsatz an und lädt deine Nachweise hoch, die zuständige Behörde prüft deine Zuverlässigkeit, und erst danach darfst du eingesetzt werden. Wenn du schon eine Bewacher-ID hast, gehört sie in den Lebenslauf. Sie sagt dem Disponenten, dass die Prüfung durch ist und du am Montag anfangen könntest statt in sechs Wochen.
Aufbau: tabellarisch, höchstens zwei Seiten
Die Bundesagentur für Arbeit ist hier eindeutig: der Lebenslauf fasst persönliche Daten und relevante Qualifikationen tabellarisch auf maximal zwei Seiten zusammen, jede Rubrik beginnt mit der jüngsten Station und geht rückwärts. Ein Bewerbungsfoto ist laut Bundesagentur kein Muss mehr; wenn du eins nimmst, dann ein professionelles Studiofoto, kein Passbild und kein Selfie. Ort, Datum und Unterschrift setzt du unter den Lebenslauf.
Für den Sicherheitsdienst weiche ich von der Standardreihenfolge an einer Stelle ab: die Nachweise kommen nach oben, nicht nach unten.
- Kontaktdaten
- Kurzprofil, vier Zeilen
- Qualifikationen und Nachweise
- Berufserfahrung
- Ausbildung
- Kenntnisse, Sprachen, Führerschein
Der Grund ist praktisch. Ein Sicherheitsunternehmen kann dich ohne § 34a nicht einsetzen, egal wie gut der Rest aussieht. Also beantwortest du die Ausschlussfrage, bevor sie gestellt wird.
Der Block, der über die Einladung entscheidet
So sieht der Nachweisblock ausgefüllt aus. Übernimm die Struktur und streiche, was du nicht hast:
- Sachkundeprüfung nach § 34a GewO, IHK Köln, 03/2024
- Bewacher-ID im Bewacherregister, seit 04/2024, Zuverlässigkeitsüberprüfung abgeschlossen
- Erste-Hilfe-Kurs (9 Unterrichtseinheiten), DRK Köln, 01/2026
- Brandschutzhelfer nach DGUV Information 205-023, 11/2025
- Führerschein Klasse B, eigener Pkw, Einsatzradius Köln und Bonn
- Deutsch verhandlungssicher, Türkisch Muttersprache, Englisch B1
- Schichtbereitschaft: Früh, Spät, Nacht, Wochenende
Wer im Geld- und Werttransport arbeiten will, ergänzt die Waffensachkunde nach § 7 Waffengesetz. Wer an den Flughafen möchte, nennt die Zuverlässigkeitsüberprüfung nach § 7 Luftsicherheitsgesetz und die Schulung als Luftsicherheitsassistent nach § 5 Luftsicherheitsgesetz. Das sind eigene Prüfverfahren, und sie stehen nirgends im Anschreiben besser als hier.
Berufserfahrung: Zahlen statt Aufgabenliste
Der häufigste Fehler in diesem Beruf ist die Stellenbeschreibung als Lebenslauf. Fast jede Bewerbung, die bei einem Objektschutzauftrag eingeht, enthält irgendwo diese Zeile:
Objektschutz, Kontrollgänge, Zutrittskontrolle, Alarmverfolgung.
Damit weiß der Disponent genau so viel wie vorher. Er kennt die Aufgaben, er hat sie ausgeschrieben. Was er nicht kennt, ist die Größe deiner Einsätze. Dieselbe Station mit Zahlen:
Sicherheitsmitarbeiter Objektschutz, Kötter Security, Köln, 05/2023 bis heute
- Zutrittskontrolle an drei Toren eines Logistikzentrums mit 42.000 Quadratmetern, im Schnitt 180 Lkw und 400 Besucher pro Tag
- Nachtschicht allein verantwortlich, stündliche Kontrollgänge über 14 Prüfpunkte, Dokumentation im Wächterkontrollsystem
- 63 sicherheitsrelevante Vorfälle dokumentiert und an die Einsatzleitung übergeben, davon 9 mit Polizeieinsatz, alle Meldungen innerhalb der Schicht abgeschlossen
- Einweisung von 6 neuen Kollegen in Objektordnung und Alarmpläne
Vier Zeilen, und der Leser weiß, ob du ein Pförtnerhäuschen oder ein Werksgelände bespielt hast. Die Zahlen musst du nicht erfinden. Du kennst deine Tore, deine Prüfpunkte und ungefähr deine Vorfallzahlen aus dem Wachbuch. Runde ehrlich und schreib "im Schnitt" davor, wenn du schätzt. Was du nicht belegen kannst, lässt du weg: im Vorstellungsgespräch fragt die Einsatzleitung nach genau diesen Zahlen, und wer sein eigenes Objekt nicht beschreiben kann, ist durch.
Kurzprofil: vier Zeilen, die zum Objekt passen
Der Block ganz oben ist kein Motivationsschreiben. Er ordnet dich ein:
Sicherheitsmitarbeiter mit Sachkundeprüfung nach § 34a und drei Jahren Objektschutz in Logistik und Industrie. Erfahren im Alleindienst in der Nachtschicht, in der Alarmverfolgung und in der sauberen Dokumentation von Vorfällen. Bewacher-ID vorhanden, Zuverlässigkeitsüberprüfung abgeschlossen. Suche eine Festanstellung im Raum Köln mit fester Schichtplanung.
Der letzte Satz ist wichtiger, als er aussieht. Sicherheitsunternehmen haben Fluktuation. Wer schreibt, was er sucht, wirkt wie jemand, der bleibt.
Quereinstieg ohne Erfahrung in der Branche
Sehr viele Sicherheitskräfte kommen aus einem anderen Beruf, und die Unternehmen wissen das. Was zählt, ist nicht die Berufsbezeichnung, sondern was du daraus mitbringst. Gastronomie und Einzelhandel bedeuten Deeskalation vor Publikum. Pflege bedeutet Nachtschicht und Dokumentationspflicht. Berufskraftfahrer bedeuten Alleinarbeit, Lenk- und Ruhezeiten und Verantwortung für fremde Werte. Zeit bei der Bundeswehr bedeutet Wache, Meldewege und Umgang mit Vorschriften. Schreib das genau so hin, mit der Tätigkeit als Beleg, und nicht als Behauptung im Anschreiben.
Wenn du den Beruf richtig lernen willst, gibt es zwei geregelte Wege über die IHK: die zweijährige Ausbildung zur Servicekraft für Schutz und Sicherheit und die dreijährige zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Die IHK Berlin weist darauf hin, dass die zweijährige Ausbildung ohne Verlust im dritten Jahr der Fachkraft fortgesetzt werden kann, weil Zeiten und Prüfungsleistungen angerechnet werden. Für die Luftsicherheit läuft der Einstieg meist über eine Schulung von wenigen Wochen bei einem Dienstleister am Flughafen, ohne fachliche Vorkenntnisse, dafür mit sehr guten Deutschkenntnissen und bestandener Zuverlässigkeitsüberprüfung.
Wo du dich bewirbst
Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ist für diese Branche unverändert der größte Kanal, weil fast jeder größere Dienstleister dort ausschreibt. Daneben lohnt das Mitgliederverzeichnis des BDSW, der nach eigenen Angaben 1.029 Mitgliedsunternehmen hat: du siehst dort, wer in deiner Stadt überhaupt Aufträge hält, und kannst dich direkt bewerben statt über ein Portal. Die großen Namen kennst du vermutlich schon, Securitas, Kötter, WISAG, Dussmann, Piepenbrock und Prosegur, dazu DB Sicherheit im Bahnbereich und die Flughafendienstleister in Frankfurt, München und Düsseldorf. Bei Indeed und StepStone findest du dieselben Stellen noch einmal, oft mit Angabe der Schichtmodelle.
Ein Wort zum Geld, weil es die Bewerbung mitentscheidet: bezahlt wird nach Tarifvertrag zwischen BDSW und ver.di, nicht nach dem gesetzlichen Mindestlohn, den die Mindestlohnkommission für 2026 auf 13,90 Euro festgesetzt hat. In der Tarifbroschüre für Wach- und Sicherheitsdienstleistungen des Berliner Tarifregisters, Stand Januar 2026, reichen die Berliner Stundensätze je nach Lohngruppe von 15,15 Euro im Objektschutz über 16,20 Euro im Revierdienst bis 17,65 Euro für die geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft. Genau deshalb gehört die Sachkunde nach oben in den Lebenslauf: sie ist keine Verzierung, sie ist eine Lohngruppe.
Vier Fehler, die sofort auffallen
Die Nachweise stehen nur im Anschreiben. Anschreiben werden im Sicherheitsdienst oft nur überflogen. Was nicht im Lebenslauf steht, existiert für die Disposition nicht.
Lücken bleiben unerklärt. In einem Gewerbe mit behördlicher Zuverlässigkeitsprüfung fallen unerklärte Monate stärker auf als anderswo. Die Bundesagentur für Arbeit rät, Unterbrechungen ab zwei Monaten zu benennen. Eine Zeile genügt: Umschulung, Pflege eines Angehörigen, Arbeitsuche.
Kein Wort zu Mobilität und Schicht. Objekte liegen im Gewerbegebiet und Schichten beginnen um sechs. Führerschein, Pkw und Einsatzradius sind hier harte Kriterien, keine Nebensache.
Alle Bewerbungen identisch. Ein Werkschutzauftrag, eine Einlasskontrolle und ein Empfangsdienst suchen unterschiedliche Leute. Tausch das Kurzprofil und die Reihenfolge der Aufzählungspunkte, das kostet zwei Minuten.
Wenn du die Struktur direkt übernehmen willst, kannst du deinen Lebenslauf mit dem Editor von Laddro aufbauen und den Nachweisblock einmal sauber anlegen. Danach ist jede weitere Bewerbung im Sicherheitsdienst eine Frage von Minuten.