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Lebenslauf als Speditionskaufmann: Verkehrsträger, Zoll und Systeme richtig angeben

So baust du deinen Lebenslauf als Speditionskaufmann auf: Verkehrsträger, Relationen, Zoll, Gefahrgut, TMS-Kenntnisse und ein Kurzprofil zum Abschreiben.

7 Min. Lesezeit
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In einer Spedition liest selten die Personalabteilung deine Bewerbung zuerst. In den meisten Häusern landet sie beim Niederlassungsleiter oder beim Abteilungsleiter Landverkehr, und der überfliegt sie zwischen zwei Telefonaten. Seine Frage ist immer dieselbe: Kann die Person meine Relation übernehmen, ohne dass ich sie ein halbes Jahr anlerne? Ein Lebenslauf, in dem "Speditionskaufmann, fünf Jahre Berufserfahrung" steht und sonst nichts, beantwortet das nicht.

Die Mühe lohnt sich, denn die Branche ist groß. Der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik gibt für die in ihm organisierten Unternehmen 600.000 Beschäftigte und einen jährlichen Branchenumsatz von 123 Milliarden Euro an, Stand Oktober 2025. Die Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit listete am 18. September 2026 rund 3.600 Stellenangebote zum Suchbegriff Speditionskaufmann, darunter Stellen in Remscheid, Neckartailfingen, Kleinmaischeid, Gallin bei Boizenburg und Burkau. Bei so vielen Anzeigen entscheidet nicht, ob du dich bewirbst, sondern ob der Leser in zwanzig Sekunden erkennt, welche Sendungen du bisher abgewickelt hast.

Der Aufbau, den Speditionen erwarten

Hier gibt es mit Kreativität nichts zu gewinnen. Die Bundesagentur für Arbeit gibt in ihrer Bewerbungshilfe vor: tabellarisch, die aktuellste Station zuerst, auf einer bis maximal zwei DIN-A4-Seiten. Ein Foto ist laut derselben Seite "kein Muss mehr", und Unterbrechungen von mehr als zwei Monaten sollst du im Lebenslauf angeben.

Für dich heißt das diese Reihenfolge:

  1. Kontaktdaten, Foto optional
  2. Kurzprofil, drei bis vier Zeilen
  3. Berufserfahrung, aktuelle Stelle zuerst
  4. Verkehrsträger, Relationen und Systeme
  5. Zoll, Gefahrgut und Nachweise
  6. Ausbildung
  7. Weiterbildungen
  8. Sprachen

Punkt vier und fünf stehen in einem kaufmännischen Standardlebenslauf ganz unten bei den EDV-Kenntnissen. In der Spedition gehören sie nach oben. Sie sind der Teil, den der Abteilungsleiter zuerst sucht, also stell ihn dorthin, wo er ihn findet.

Das Kurzprofil: vier Zeilen, die über den Rest entscheiden

Direkt unter die Kontaktdaten gehören drei bis vier Zeilen, die deine Arbeit zusammenfassen. Keine Adjektive, keine Selbstbeschreibung, sondern die Fakten, nach denen im Gespräch sowieso gefragt wird: Verkehrsträger, Richtung, Sendungsvolumen, System, Sprache und die Stelle, die du suchst.

Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung, seit 2021 in der Exportabwicklung Seefracht. Betreuung von rund 60 FCL- und LCL-Sendungen pro Woche nach Nordamerika und Westafrika, Ausfuhranmeldungen in ATLAS, Akkreditivdokumente nach UCP 600. Tägliche Arbeit in CargoWise One, verhandlungssicheres Englisch. Sucht eine Stelle in der Seefracht Export im Raum Hamburg.

Der letzte Satz fehlt in fast jedem Lebenslauf, den ich sehe, und er ist der nützlichste. Wer Landverkehr disponiert, kommt selten ohne Einarbeitung in die Luftfracht, und umgekehrt genauso. Wenn du selbst sagst, wohin du willst, muss der Leser nicht raten, ob du auf die ausgeschriebene Stelle passt.

Sag "Seefracht Export", nicht "Logistik"

Das ist der häufigste Fehler. "Logistik" ist kein Suchbegriff, nach dem jemand filtert. Gefiltert wird nach Verkehrsträger und Richtung. Schreib deshalb wörtlich hin, was du gemacht hast:

  • Verkehrsträger: Landverkehr, Seefracht, Luftfracht, Kombinierter Verkehr, Kurier-Express-Paket oder Kontraktlogistik
  • Richtung: Import oder Export, gern beides mit Anteil
  • Sendungsart: Sammelgut, Teilladung, Komplettladung, FCL, LCL
  • Relationen: die Länder oder Häfen, die du tatsächlich betreut hast
  • Volumen: Sendungen pro Tag oder Woche, nicht "hohes Aufkommen"

Eine Zeile wie "Disposition Sammelgut Ausgang, Relation Deutschland nach Norditalien, 40 bis 55 Sendungen täglich" sagt mehr als ein ganzer Absatz über Teamfähigkeit. Sie erlaubt dem Leser außerdem, dich sofort mit seinem eigenen Betrieb zu vergleichen.

Das Transportmanagementsystem gehört in dieselbe Sektion, mit Namen. CargoWise One, Scope von Riege, cargo support, TIMOCOM als Frachtenbörse: das sind Namen, die in Stellenanzeigen wörtlich stehen und nach denen wörtlich gesucht wird. "Gute EDV-Kenntnisse" ersetzt das nicht.

Zoll, Gefahrgut und Haftung gehören sichtbar in den Lebenslauf

Diese drei Themen trennen den Bewerber, der eingearbeitet werden muss, vom Bewerber, der Montag anfangen kann.

Zoll. Für die Ausfuhr gilt eine EU-weite Pflicht zur Teilnahme am elektronischen Verfahren ATLAS-Ausfuhr, unabhängig vom Verkehrsträger; die Zollverwaltung nennt dafür auf zoll.de Artikel 6 Absatz 1 des Unionszollkodex als Grundlage. Wenn du in ATLAS gearbeitet hast, schreib hin, ob Ausfuhr, Einfuhr oder Versandverfahren NCTS, und wie oft. Auch die EORI-Nummer ist kein Nebenthema: Seit Februar 2013 wird der Wirtschaftsbeteiligte in ATLAS ausschließlich über sie identifiziert, die alte Zollnummer wird nicht mehr verarbeitet. Wer Zollanmeldungen selbst erstellt hat, sollte das mit einem Zahlenwert belegen, etwa "rund 25 Ausfuhranmeldungen pro Woche".

Gefahrgut. Nach § 3 der Gefahrgutbeauftragtenverordnung muss ein Unternehmen mindestens einen Gefahrgutbeauftragten in Textform bestellen, sobald es an der Beförderung gefährlicher Güter beteiligt ist und ihm Pflichten als Beteiligter zugewiesen sind. Der Schulungsnachweis dafür gilt fünf Jahre und verlängert sich nach bestandener Prüfung um jeweils weitere fünf Jahre; ausgestellt wird er von den Industrie- und Handelskammern. Wenn du diesen Nachweis hast, gehört er samt Verkehrsträger und Gültigkeitsdatum in den Lebenslauf. Wenn du nur nach ADR Kapitel 1.3 unterwiesen bist, schreib genau das, nicht mehr.

Haftung. Die Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen in der Fassung ADSp 2017 sind laut DSLV ein gemeinschaftliches Empfehlungswerk der Verbände der verladenden Wirtschaft und der Spedition, und über 90 Prozent der bundesdeutschen Speditionen arbeiten auf dieser Grundlage. Wer Schadensfälle bearbeitet hat, sollte "Reklamations- und Schadensbearbeitung nach ADSp 2017" schreiben. Das signalisiert, dass du weißt, wovon du redest, wenn ein Kunde nach der Regelhaftung fragt.

Berufserfahrung: der Unterschied in vier Zeilen

So sieht die Station aus, die fast jeder abgibt:

  • Bearbeitung von Sendungen
  • Kundenbetreuung
  • Erstellung von Frachtpapieren
  • Reklamationsbearbeitung

Und so sieht dieselbe Station aus, wenn man sie ernst nimmt:

  • Disposition von 40 bis 55 Sammelgutsendungen täglich auf der Relation Deutschland nach Norditalien, Abwicklung in CargoWise One
  • Erstellung von CMR-Frachtbriefen und Ausfuhranmeldungen in ATLAS, dazu Gefahrgutdokumente nach ADR für begrenzte Mengen
  • Bearbeitung von durchschnittlich zwölf Schadensfällen pro Monat nach ADSp 2017 inklusive Meldung an den Verkehrshaftungsversicherer
  • Frachteinkauf über TIMOCOM, Verhandlung mit rund 30 Festpartnern, Übernahme der Preisrunde für zwei Relationen
  • Einarbeitung von zwei Auszubildenden im dritten Lehrjahr

Vier Zahlen, drei Systeme, ein Rechtsrahmen. Genau daraus baut der Leser seine erste Einschätzung, und genau daraus entstehen später die Fragen im Gespräch.

Ausbildung: schreib hin, was tatsächlich drinsteckt

"Ausbildung zum Speditionskaufmann, 2018 bis 2021" ist korrekt und langweilig. Die Verordnung über die Berufsausbildung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung setzt in § 2 drei Jahre an und listet in § 4 neun Bereiche des Ausbildungsberufsbildes, darunter "Anwenden der englischen Sprache bei Fachaufgaben", "Verträge, Haftung und Versicherungen" sowie "Gefahrgut, Schutz und Sicherheit". Wenn du frisch aus der Ausbildung kommst, nimm zwei davon und schreib dazu, wo du sie angewendet hast.

Die Abschlussprüfung nach § 9 derselben Verordnung besteht aus vier Teilen: Leistungserstellung in Spedition und Logistik in höchstens 180 Minuten, Kaufmännische Steuerung und Kontrolle in höchstens 90 Minuten, Wirtschafts- und Sozialkunde in höchstens 90 Minuten sowie das fallbezogene Fachgespräch von höchstens 30 Minuten. Bestanden hat, wer im Gesamtergebnis und in mindestens drei Prüfungsbereichen ausreichende Leistungen erbringt, darunter zwingend in der Leistungserstellung. Ein "ungenügend" in einem einzigen Bereich lässt die ganze Prüfung durchfallen.

Das Fachgespräch ist übrigens ein gutes Vorbereitungsargument: Wer es hinter sich hat, hat schon einmal einen Speditionsfall unter Zeitdruck erklärt. Genau das passiert im Vorstellungsgespräch noch einmal.

Weiterbildung, die eine Spedition wirklich liest

Der naheliegende nächste Schritt ist der Geprüfte Fachwirt für Logistiksysteme, seit der Reform mit dem Zusatz Bachelor Professional in Logistiksysteme. Die zugehörige Fortbildungsverordnung lässt in § 2 unter anderem Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung direkt zu; wer eine andere dreijährige kaufmännische Ausbildung hat, braucht ein Jahr Berufspraxis, ohne einschlägigen Abschluss sind es fünf Jahre. Die vier Handlungsbereiche der Prüfung reichen vom Ermitteln logistischer Anforderungen bis zu Kommunikation und Führung.

Wenn du gerade erst angefangen hast, nimm die kleineren Nachweise ernst. Ein Schulungsnachweis zur Ladungssicherung nach der VDI-Richtlinie 2700 zählt, weil § 22 StVO die Ladungssicherung nach den anerkannten Regeln der Technik verlangt und die VDI-Reihe genau diese konkretisiert. In der Luftfracht zählt die Schulung nach Nummer 11.2.3.9 des Anhangs der Durchführungsverordnung (EU) 2015/1998, die das Luftfahrt-Bundesamt für Personal mit unbegleitetem Zugang zu identifizierbarer Luftfracht vorschreibt, seit dem 1. Januar 2023. Dazu kommen Gabelstaplerschein und Zollrechtsseminare der IHK. Schreib alles mit Jahr und ausstellender Stelle hin, nicht als Sammelzeile.

Die letzte Runde vor dem Absenden

Lies deinen Lebenslauf noch einmal mit den Augen eines Disponenten und prüf fünf Dinge. Steht der Verkehrsträger in den ersten fünf Zeilen? Steht mindestens eine echte Zahl pro Station? Ist das Transportmanagementsystem namentlich genannt? Sind Zoll und Gefahrgut so beschrieben, dass klar ist, was du selbst gemacht hast und was der Kollege nebenan? Und passt das Ganze auf zwei Seiten?

Wenn du dabei merkst, dass die Formatierung dir mehr Zeit kostet als der Inhalt, nimm eine fertige Struktur und füll sie aus, zum Beispiel mit dem Editor von Laddro. Die Zeit, die du sparst, steckst du besser in die eine Zeile, die wirklich zählt: welche Sendungen du bisher bewegt hast und wohin.

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