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Teilzeit rechnet sich (oder auch nicht): die ehrliche Brutto-Netto-Rechnung

Weniger Stunden, aber wie viel weniger Geld? Die ehrliche Brutto-Netto-Rechnung für Teilzeit 2026 mit echten Zahlen zu Steuer, Abgaben und Rentenlücke.

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Irgendwann steht die Frage im Raum. Ein Kind, ein zweites Studium, ein Elternteil, das Pflege braucht, oder einfach der Wunsch nach mehr Zeit für sich. Du überlegst, die Stunden zu reduzieren. Und sofort meldet sich die Angst: Wenn ich nur noch 60 Prozent arbeite, bleibt mir dann auch nur noch 60 Prozent vom Geld? Die Antwort ist überraschend, und sie fällt für dich meistens günstiger aus, als du denkst. An einer Stelle aber wird Teilzeit richtig teuer, und darüber redet kaum jemand offen. Hier ist die ehrliche Rechnung.

Teilzeit ist längst der Normalfall

Zuerst zur Einordnung, damit du weißt, in welcher Gesellschaft du dich bewegst. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) arbeiteten 2024 rund 29 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland in Teilzeit. Bei Frauen ist es fast die Hälfte: 2025 war laut Destatis jede zweite erwerbstätige Frau (50,6 Prozent) in Teilzeit beschäftigt, bei den Männern nur jeder Siebte (14,3 Prozent). Noch deutlicher wird es bei Eltern. Von den erwerbstätigen Müttern mit Kindern unter 18 Jahren arbeiteten 2025 nach Destatis 66,4 Prozent in Teilzeit, bei den Vätern in gleicher Lebenslage waren es nur 8,6 Prozent.

Teilzeit ist also keine Ausnahme, sondern für Millionen Menschen der Alltag. Umso wichtiger ist es, die Zahlen dahinter wirklich zu verstehen, statt sich von einem Bauchgefühl leiten zu lassen.

Der Denkfehler: brutto ist nicht netto

Der große Irrtum bei Teilzeit lautet: halbe Stunden gleich halbes Geld. Das stimmt nur brutto. Netto sieht die Sache anders aus, und der Grund heißt Steuerprogression.

Das deutsche Einkommensteuersystem besteuert nicht jeden Euro gleich. Bis zum Grundfreibetrag zahlst du gar keine Steuer. Für 2026 liegt dieser Grundfreibetrag bei 12.348 Euro im Jahr (Einkommensteuertarif 2026, Bundesministerium der Finanzen). Erst darüber greift der Eingangssteuersatz von 14 Prozent, und der Satz steigt dann stufenweise an, bis der Spitzensteuersatz von 42 Prozent bei einem zu versteuernden Einkommen ab 69.878 Euro erreicht ist (Einkommensteuertarif 2026). Das bedeutet: Dein zuletzt verdienter Euro wird höher besteuert als dein erster. Und genau deshalb ist der umgekehrte Weg für dich vorteilhaft. Wenn du Stunden abgibst, fallen zuerst die am höchsten besteuerten Euro weg.

Die Rechnung Schritt für Schritt

Nehmen wir Nina, ledig, Steuerklasse 1, gesetzlich krankenversichert, keine Kirchensteuer. Sie arbeitet Vollzeit, 40 Stunden pro Woche, und verdient 4.000 Euro brutto im Monat. Netto bleiben ihr davon 2026 rund 2.606 Euro (Brutto-Netto-Berechnung für Steuerklasse 1, Stand 2026). Rund 525 Euro gehen für Lohnsteuer weg, etwa 870 Euro für die Sozialabgaben.

Diese Abgaben verteilen sich nach den Beitragssätzen 2026 auf Rentenversicherung (18,6 Prozent), Krankenversicherung (14,6 Prozent plus durchschnittlich 2,9 Prozent Zusatzbeitrag), Pflegeversicherung (3,6 Prozent, für Kinderlose ab 23 Jahren mit einem Zuschlag von 0,6 Prozent) und Arbeitslosenversicherung (2,6 Prozent). Von diesen Sätzen trägt Nina jeweils die Hälfte, den Rest der Arbeitgeber.

Jetzt reduziert Nina auf 60 Prozent, also 24 Stunden pro Woche. Ihr Bruttolohn sinkt entsprechend auf 2.400 Euro. Netto bleiben ihr davon 2026 rund 1.711 Euro (Brutto-Netto-Berechnung für Steuerklasse 1, Stand 2026).

Jetzt der entscheidende Vergleich. Brutto hat Nina 40 Prozent aufgegeben, von 4.000 auf 2.400 Euro. Netto sind aber nur 895 Euro weg, von 2.606 auf 1.711 Euro. Sie behält also 65,7 Prozent ihres früheren Nettolohns, obwohl sie nur noch 60 Prozent der Stunden arbeitet.

Rechne es auf die Stunde herunter, dann wird es noch greifbarer. Ein Monat hat im Schnitt rund 173 Arbeitsstunden bei Vollzeit (40 Stunden mal 4,33 Wochen). Ninas Vollzeit-Netto von 2.606 Euro ergibt also gut 15,05 Euro netto pro Stunde. In Teilzeit arbeitet sie etwa 104 Stunden im Monat, und ihre 1.711 Euro ergeben rund 16,45 Euro netto pro Stunde. Jede Teilzeitstunde bringt ihr netto also mehr als jede Vollzeitstunde vorher. Das ist kein Trick, sondern die direkte Folge der Progression.

Für die reine Kalkulation heißt das: Wenn du grübelst, ob sich die letzten Vollzeitstunden finanziell lohnen, lautet die ehrliche Antwort oft, dass sie es netto kaum tun. Der Staat verdient an deinen letzten Stunden am kräftigsten mit.

Wo Teilzeit wirklich teuer wird: die Rente

Bis hierhin klingt Teilzeit fast wie ein gutes Geschäft. Der Haken kommt später, und er kommt bei der gesetzlichen Rente. Denn die Progression, die dir netto hilft, gibt es bei der Rente nicht. Dort zählt jeder Euro Bruttoentgelt linear.

Die gesetzliche Rente rechnet in Entgeltpunkten. Einen vollen Entgeltpunkt pro Jahr bekommst du, wenn dein Bruttoverdienst dem Durchschnittsentgelt aller Versicherten entspricht. Für 2026 setzt die Deutsche Rentenversicherung dieses vorläufige Durchschnittsentgelt auf 51.944 Euro im Jahr an, also rund 4.329 Euro im Monat. Jeder Entgeltpunkt ist seit dem 1. Juli 2026 einen aktuellen Rentenwert von 42,52 Euro Monatsrente wert (Deutsche Rentenversicherung).

Zurück zu Nina. In Vollzeit mit 48.000 Euro Jahresbrutto sammelt sie 48.000 geteilt durch 51.944, also rund 0,92 Entgeltpunkte pro Jahr. In Teilzeit mit 28.800 Euro Jahresbrutto sind es nur noch 28.800 geteilt durch 51.944, also rund 0,55 Entgeltpunkte pro Jahr. Die Differenz beträgt 0,37 Punkte pro Jahr.

Angenommen, Nina bleibt zehn Jahre in Teilzeit statt in Vollzeit. Dann fehlen ihr am Ende 3,7 Entgeltpunkte. Mal dem Rentenwert von 42,52 Euro sind das rund 157 Euro weniger Rente im Monat, und zwar lebenslang. Bei einer Rentenbezugsdauer von 20 Jahren summiert sich das auf über 37.000 Euro. Diese Lücke taucht auf keiner Gehaltsabrechnung auf, sie schlägt erst Jahrzehnte später zu.

Das ist der ehrliche Preis von Teilzeit. Netto sparst du kurzfristig relativ wenig ein, langfristig zahlst du bei der Rente den vollen linearen Anteil. Wer länger reduziert, sollte diese Lücke kennen und einplanen, etwa über betriebliche Altersvorsorge, private Vorsorge oder freiwillige Beiträge.

Die Steuerklassen-Falle für Paare

Noch tückischer wird es, wenn du verheiratet bist und in Teilzeit der Zweitverdiener bist. Viele Paare wählen die Kombination Steuerklasse 3 und 5. Der Hauptverdiener nimmt Klasse 3 und zahlt sehr wenig Lohnsteuer, der Teilzeitpartner in Klasse 5 zahlt dafür überproportional viel. Auf dem Kontoauszug des Teilzeitpartners sieht das dann nach einem miserablen Geschäft aus, weil der Grundfreibetrag komplett beim Partner in Klasse 3 verrechnet wird.

Wichtig zu wissen: Das ist eine Verteilung während des Jahres, keine endgültige Steuer. Über die gemeinsame Steuererklärung und das Ehegattensplitting wird am Ende die tatsächliche Steuer für beide zusammen berechnet. Trotzdem entsteht ein psychologischer Effekt. Wer in Klasse 5 netto kaum etwas übrig sieht, empfindet die eigene Teilzeitarbeit als kaum lohnend, obwohl die reale Steuerlast des Haushalts eine andere ist.

Die faire Alternative ist das Faktorverfahren mit der Kombination 4 und 4 plus Faktor. Dabei berechnet das Finanzamt aus den voraussichtlichen Jahresgehältern einen Faktor kleiner als 1, und beide Partner nutzen ihren eigenen Grundfreibetrag schon Monat für Monat (Finanztip, Deutschland-Rechner). Der Teilzeitpartner sieht dann ein realistischeres Netto und die Motivation stimmt eher mit der Rechnung überein. Die gesetzlich vorgesehene Überführung aller 3/5-Paare in das Faktorverfahren ist auf den 1. Januar 2030 datiert, du kannst den Wechsel aber schon jetzt beim Finanzamt beantragen.

Minijob, Midijob und die Grenzen

Wenn du nur wenige Stunden reduzieren oder aufstocken willst, sind zwei Grenzen wichtig. Die Minijobgrenze liegt 2026 bei 603 Euro im Monat. Bis dahin zahlst du als Arbeitnehmer keine eigenen Sozialabgaben, sammelst aber auch kaum Rentenansprüche. Darüber beginnt der Übergangsbereich, der sogenannte Midijob, der bis 2.000 Euro brutto im Monat reicht (Knappschaft-Bahn-See, Bundesministerium für Arbeit und Soziales).

Im Midijob-Bereich zahlst du reduzierte Sozialbeiträge, die erst an der 2.000-Euro-Grenze auf den vollen Arbeitnehmeranteil ansteigen. Der Vorteil gegenüber dem Minijob: Du bist voll sozialversichert, hast Anspruch auf Krankengeld und Arbeitslosengeld und baust echte Rentenpunkte auf. Wer knapp über der Minijobgrenze arbeitet, fährt mit dem Midijob deshalb meistens besser, auch wenn brutto zunächst weniger übrig zu bleiben scheint.

Was du vor der Entscheidung durchrechnen solltest

Bevor du deine Stunden reduzierst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf drei Zahlen. Erstens dein tatsächliches Netto in beiden Varianten, am besten mit einem seriösen Brutto-Netto-Rechner für 2026 und nicht nach Gefühl. Zweitens die Rentenlücke, also wie viele Entgeltpunkte dir pro Jahr in Teilzeit fehlen, gerechnet mit deinem Bruttoverdienst geteilt durch die 51.944 Euro Durchschnittsentgelt. Drittens, falls du verheiratet bist, ob eure Steuerklassenkombination noch passt oder ob das Faktorverfahren euch ein realistischeres Bild gibt.

Teilzeit ist finanziell selten so schlimm, wie die brutto Zahl vermuten lässt, und selten so harmlos, wie das kurzfristige Netto suggeriert. Kurzfristig behältst du mehr pro Stunde, als du denkst. Langfristig zahlst du bei der Rente den vollen Preis. Wer beide Seiten kennt, trifft die Entscheidung mit offenen Augen statt aus dem Bauch heraus. Und wenn deine nächste Bewerbung ohnehin ansteht, hältst du deinen Lebenslauf mit Laddro in wenigen Minuten so aktuell, dass er zu deinem neuen Arbeitsmodell passt.