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Praktikum und Trainee

Motivationsschreiben Forschungspraktikum: Beispiel mit Kommentar

Eine Bewerbung um ein Laborpraktikum, in der ein einziges Studienprojekt als Methodennachweis dient, mit Hinweisen darauf, worauf Arbeitsgruppenleitungen achten.

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Das Problem mit diesem Bewerbungszeitpunkt

Du bist im zweiten oder dritten Studienjahr. Alle Bewerbenden haben ungefähr deine Noten, ungefähr dieselben Lehrveranstaltungen und keine Veröffentlichungen. Nach Qualifikationen lässt sich niemand auseinanderhalten, weil es noch keine gibt.

Unterschieden wird deshalb nach zwei Dingen: ob du verstanden hast, woran die Gruppe arbeitet, und ob irgendetwas darauf hindeutet, dass du arbeiten kannst, ohne dass dir jemand den nächsten Schritt sagt. Beides lässt sich in einem Text zeigen, und die meisten zeigen keines von beiden.

Das Beispiel stammt von Ilja Sokolow, Biochemiestudent im dritten Jahr, der sich um ein zehnwöchiges Sommerpraktikum in einer strukturbiologischen Arbeitsgruppe in Deutschland bewirbt.

Erst die Gruppe aussuchen, dann schreiben

Iljas Text nennt den aktuellen Schwerpunkt der Gruppe, die Kryo-Elektronenmikroskopie von Membrantransportern, und sagt, an welchem der beiden laufenden Projekte er mitarbeiten möchte und warum.

Damit liegt er bereits vor der Mehrheit, deren Texte erkennen lassen, dass sie das Labor über einen Datenbankfilter gefunden haben und nicht sagen könnten, woran dort gearbeitet wird. Arbeitsgruppenleitungen bekommen Dutzende Schreiben, die mit "Sehr geehrte Damen und Herren" beginnen und ein allgemeines Interesse an Molekularbiologie beschreiben. Die führen zu nichts.

Übertragbar: Lies eine aktuelle Veröffentlichung der Gruppe. Nenn sie. Schreib, welche Abbildung dich zum Schreiben gebracht hat.

Ein Projekt, als Methode beschrieben

Ilja hat genau eine einschlägige Erfahrung: ein Semesterprojekt zur Aufreinigung eines bakteriellen Proteins. Das ist wenig, und er tut nicht so, als wäre es mehr.

Was er tut: Er beschreibt es richtig. Er nennt das Konstrukt, das Expressionssystem, den Aufreinigungsweg, die Ausbeute, die er erreicht hat, und die Ausbeute, die das Protokoll versprach. Er schreibt, dass die Ausbeute niedrig war, dass er es auf Proteolyse beim Zellaufschluss zurückführen konnte und was er daraufhin geändert hat. Er erwähnt, dass er die Gele selbst gefahren hat.

Ein solcher Absatz sagt einer Betreuung mehr als eine Liste mit zehn Methoden. Er zeigt, dass Ilja bei der Arbeit war und nicht danebenstand, und dass er ein Problem samt Ursache beschreiben kann.

Übertragbar: Zähl keine Methoden auf. Erzähl ein Problem, seine Diagnose und seine Behebung, so genau, wie es deine Betreuung tun würde.

Sag, was du lernen willst

Studierende schreiben oft, als müssten sie bereits nützlich sein. Müssen sie nicht, und die Arbeitsgruppenleitung weiß das. Zehn Wochen mit einer Person, die eine Methode richtig lernen will, sind mehr wert als zehn Wochen mit einer Person, die beeindrucken will.

Ilja nennt die Methode: Probenpräparation und Grid-Screening für die Kryo-Elektronenmikroskopie. Er schreibt, dass er das noch nie gemacht hat, dass sein Institut kein Mikroskop besitzt, und dass genau das der Grund ist, warum er sich im Ausland bewirbt und nicht zu Hause bleibt.

Die organisatorischen Angaben

Vier Zeilen, gegen Ende. Sein Zeitraum, der länger ist als das geforderte Minimum. Seine Finanzierung, nämlich ein beantragtes nationales Mobilitätsstipendium mit Bescheid im März. Sein Aufenthaltsstatus. Ob er Hilfe bei der Unterkunft braucht.

Betreuende hatten schon Praktikantinnen, die ohne geklärte Finanzierung ankamen. Wer das im Text erledigt, spart eine Mailrunde und wirkt wie jemand, der diese Gedanken bereits hatte.

Umfang und Ton

400 bis 550 Wörter. Sprich eine konkrete Person an. Hat die Gruppe mehrere Leitungen, wähle die des genannten Projekts und schreib dazu, warum du ihr geschrieben hast und nicht der anderen.

Leg einen einseitigen Lebenslauf und einen Notenauszug bei. Wiederhol beides nicht im Fließtext.

Die üblichen Fehlerquellen

  • Eine Rundmail mit ausgetauschtem Laborname. Dass jeder konkrete Bezug zur Arbeit der Gruppe fehlt, sieht man in der ersten Zeile.
  • Methoden behaupten, die man einmal gesehen hat. Man wird danach gefragt.
  • Drei Absätze über eine lebenslange Faszination für Naturwissenschaft. Das ist kein Nachweis, und die lesende Person hat es vierhundertmal gelesen.
  • Kein Zeitraum. Niemand kann mit einer Person planen, die nicht sagt, wann sie kann.

Letzter Durchgang vor dem Absenden

Sieh auf der Seite der Gruppe nach, ob dort steht, wie sie kontaktiert werden möchte. Erstaunlich viele geben ein Betreffformat vor oder verlangen einen bestimmten Anhang, und das zu übergehen ist die billigste Art, aussortiert zu werden.

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