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Lebenslauf als Lokführer: Beispiel, Aufbau und Quereinstieg

Lebenslauf als Lokführer richtig aufbauen: Führerschein, Zusatzbescheinigung, Streckenkenntnis, Quereinstieg und ein Beispielabschnitt zum Übernehmen.

7 Min. Lesezeit
Illustration for Lebenslauf als Lokführer: Beispiel, Aufbau und Quereinstieg

Ein Lebenslauf für den Führerstand wird anders gelesen als jeder andere. Die Personaldisposition einer Eisenbahn sucht zuerst nach zwei Dingen: Hast du einen gültigen Triebfahrzeugführerschein, und für welche Fahrzeuge und Strecken bist du einsetzbar. Alles Weitere kommt danach. Wer stattdessen oben mit einem Kurzprofil über Teamfähigkeit startet, verschenkt die halbe erste Seite.

Hier steht, wie du die Unterlagen so sortierst, dass jemand in der Disposition sofort sieht, ob du auf seine Relation passt. Und was du schreibst, wenn du den Schein noch gar nicht hast.

Die Papiere, auf denen alles aufbaut

Der Beruf ist bundesweit geregelt, und zwar durch die Triebfahrzeugführerscheinverordnung (TfV). Nach § 5 Absatz 1 TfV erteilt die zuständige Behörde den Führerschein, wenn du mindestens 20 Jahre alt bist, eine Schulausbildung im Sekundarbereich I abgeschlossen hast, gesundheitlich und psychologisch geeignet bist, deine allgemeinen Fachkenntnisse in einer Prüfung nachgewiesen hast und für die Tätigkeit zuverlässig bist. Dieselbe Vorschrift nennt auch, wann die Zuverlässigkeit fehlt: bei einer Suchtkrankheit oder wenn jemand erheblich oder wiederholt gegen verkehrsrechtliche Vorschriften verstoßen hat. Wer schon mit 18 anfangen will, braucht laut § 5 Absatz 1 Satz 2 TfV ein medizinisch-psychologisches Gutachten und darf dann nur auf öffentlichen Infrastrukturen in Deutschland fahren.

Ausgestellt wird der Schein vom Eisenbahn-Bundesamt. Das EBA nennt auf seiner Seite zur Triebfahrzeugführerscheinstelle eine Bearbeitungsgebühr von 150,00 Euro, beziehungsweise 175,00 Euro, wenn zusätzlich ein vorläufiger Führerschein beantragt wird, und stellt den Schein spätestens innerhalb eines Monats aus, sobald alle Unterlagen vorliegen. Gültig ist er zehn Jahre (§ 8 Absatz 5 TfV), danach wird er mit neuem Lichtbild verlängert.

Der zweite Nachweis ist die Zusatzbescheinigung. Sie gilt nach § 4 Absatz 3 TfV ausschließlich für die in ihr aufgeführten Infrastrukturen und Fahrzeuge, wird vom Unternehmen ausgestellt und bleibt dessen Eigentum. Wichtig für jede Bewerbung: Nach § 13 Absatz 2 TfV wird sie mit Ende des Beschäftigungsverhältnisses ungültig, der bisherige Arbeitgeber muss dir aber auf Verlangen innerhalb von vier Wochen einen Nachweis darüber aushändigen. Fordere diesen Nachweis an, bevor du kündigst. Er ist das einzige Dokument, mit dem du einem neuen Arbeitgeber schwarz auf weiß belegst, welche Baureihen du schon gefahren bist.

Zwei Seiten, tabellarisch, rückwärts sortiert

Die formalen Regeln sind dieselben wie in jeder deutschen Bewerbung. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt in ihrem Bewerbungstraining den tabellarischen Lebenslauf über maximal zwei DIN-A4-Seiten, mit persönlichen Daten und Foto, Schulbildung, Ausbildung, Berufserfahrung einschließlich Praktika, Weiterbildungen sowie besonderen Kenntnissen, und stellt klar, dass die Reihenfolge der Stationen normalerweise zeitlich absteigend ist. Der gleiche Text rät dazu, sich auf das Wesentliche für die angestrebte Stelle zu beschränken.

Für den Führerstand heißt das eine kleine, aber wirkungsvolle Abweichung: Setze den Block mit deinen Fahrberechtigungen direkt unter die Kontaktdaten, noch vor die Berufserfahrung. Genau danach wird sortiert.

Der Abschnitt, den nur dein Beruf hat

So sieht ein Block aus, den eine Disposition ohne Rückfrage verarbeiten kann. Die Angaben sind ein Beispiel, ersetze sie durch deine eigenen:

Fahrberechtigungen und Nachweise

Triebfahrzeugführerschein, Eisenbahn-Bundesamt, gültig bis 03/2031
Zusatzbescheinigung Klasse B, Baureihen 185, 189, 193 (Vectron)
Streckenkenntnis: Maschen bis Seelze, Seelze bis Hamm,
                  Hamm bis Duisburg-Wedau
Betriebsdiensttauglichkeit: letzte ärztliche Untersuchung 04/2026
Überprüfung allgemeine Fachkenntnisse: 04/2026
Sprachnachweis Deutsch: Zertifikat B1 (2019)

Ein Detail, das viele falsch machen: Die Streckenkenntnis gehört nicht in die Zusatzbescheinigung. Die TfV dokumentiert sie dort ausdrücklich nicht, sie wird vom Unternehmen im Sicherheitsmanagementsystem geführt. Im Lebenslauf listest du sie deshalb als eigene Zeile, und zwar mit den Relationen, nicht mit vagen Formulierungen wie "diverse Strecken in Norddeutschland".

Dasselbe gilt für Baureihen. "Verschiedene Elektroloks" sagt niemandem etwas. Die Baureihennummern dagegen entscheiden darüber, ob du auf einen offenen Umlauf passt oder erst eine Aufschulung brauchst.

Aus Aufgaben werden Nachweise

Der häufigste Schwachpunkt im Erfahrungsteil ist die Aufgabenbeschreibung, die aus dem Arbeitsvertrag abgeschrieben wirkt. Ein Vorher und Nachher:

Vorher: Zuständig für das Führen von Güterzügen im Schichtdienst.

Nachher: Führte Ganzzüge im Wechselschichtdienst auf der Relation Maschen bis Seelze, übernahm Bremsproben und Wagenprüfungen eigenverantwortlich und arbeitete drei Jahre ohne meldepflichtiges Ereignis.

Die zweite Version nennt Relation, Zugart, Schichtmodell und ein Sicherheitsergebnis. Das sind vier Informationen, nach denen tatsächlich gefragt wird. Wenn du im Regionalverkehr fährst, treten Fahrgastbetreuung, Störungskommunikation und Pünktlichkeit an dieselbe Stelle.

Wenn du quer einsteigst

Der Quereinstieg ist der Normalfall geworden, nicht die Ausnahme. Die Deutsche Bahn beschreibt auf ihrer Karriereseite zum Quereinstieg eine Vollzeitqualifizierung mit 39 Stunden pro Woche, die je nach Bereich 9 bis 12 Monate im Regionalverkehr, rund 12 Monate im Güterverkehr und 12 bis 18 Monate im Fernverkehr dauert, in Klassen von etwa 15 Teilnehmenden, mit Simulatoren und Tablets. Vorausgesetzt werden dort mindestens 20 Jahre, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium, Deutsch auf B2-Niveau sowie Schichtbereitschaft. Bezahlt wird nach Angaben derselben Seite vom ersten Tag an das volle Gehalt.

In deinen Lebenslauf gehört dann kein Führerscheinblock, sondern ein Block, der die Eignung belegt. Nimm alles auf, was Schicht, Sicherheitsverantwortung und Alleinarbeit zeigt: Wechselschicht in der Produktion, Rangiertätigkeit im Werksverkehr, Berufskraftfahrer mit Fahrerkarte, Wachdienst mit Alarmverfolgung, Anlagenführung in der Nachtschicht. Eine Zeile wie "sechs Jahre Wechselschicht im Dreischichtbetrieb, davon vier Jahre allein an der Anlage" beantwortet die stille Frage, die hinter jeder Quereinsteigerbewerbung steht.

Rechne fest mit der Eignungsuntersuchung. Die Deutsche Bahn beschreibt sie auf ihrer Seite zum Auswahlprozess als medizinischen Teil mit Seh- und Hörtest, körperlicher Untersuchung sowie Blut- und Urinprobe und, für besonders anspruchsvolle Tätigkeiten, als computerbasiertes Testverfahren zu Konzentrations- und Reaktionsvermögen und logischem Denken. Das ist kein Einstellungstest im klassischen Sinn, sondern die Feststellung der Betriebsdiensttauglichkeit.

Der Weg über die Ausbildung

Wer jung anfängt, geht meist über die dreijährige Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport. Die Dauer steht in § 2 der Lokführer- und Transportausbildungsverordnung (LTAusbV). Die Abschlussprüfung ist gestreckt, und § 16 LTAusbV gewichtet die Prüfungsbereiche so: Gesamtsystem Eisenbahn und Zugvorbereitung 20 Prozent, Prüfen von Triebfahrzeugen 20 Prozent, Zug- und Rangierfahrten durchführen 30 Prozent, Eisenbahnbetrieb im Regelbetrieb sowie bei Abweichungen und Störungen 20 Prozent und Wirtschafts- und Sozialkunde 10 Prozent.

Für den Lebenslauf zählt vor allem ein Satz aus § 5 Absatz 1 TfV: Wer die Prüfung nach § 7 Absatz 1 LTAusbV bestanden hat, hat damit den Nachweis der allgemeinen Fachkenntnisse für den Triebfahrzeugführerschein erbracht. Schreib das ausdrücklich hin, statt nur den Ausbildungsberuf zu nennen.

Fristen, die deinen Einsatz sichern

Ein Lebenslauf ohne Datumsangaben zu den Überprüfungen zwingt die Disposition zur Rückfrage. Die Mindestabstände stehen in Anlage 11 der TfV: Die ärztliche Untersuchung erfolgt bis zum Alter von 55 Jahren alle drei Jahre, danach jährlich. Die allgemeinen Fachkenntnisse werden mindestens alle drei Jahre überprüft. Für die Zusatzbescheinigung gilt ebenfalls ein Drei-Jahres-Rhythmus, bei den Sprachkenntnissen zusätzlich nach jeder Abwesenheit von mehr als einem Jahr und bei der Streckenkenntnis immer dann, wenn eine bestimmte Strecke länger als ein Jahr nicht befahren wurde.

Diese letzte Regel ist der Grund, warum eine Lücke im Lebenslauf bei diesem Beruf sachlich erklärt werden sollte. Wer zwei Jahre nicht gefahren ist, kommt nicht ohne Auffrischung zurück, und das weiß die Gegenseite. Schreib die Pause offen hin und nenne im selben Atemzug, welche Überprüfung du bereits angestoßen hast.

Noch eine Frist, die bei Prüfungsplanungen gern übersehen wird: Nach § 7 Absatz 2 TfV sollen zwischen dem Abschluss der Ausbildung und der theoretischen Prüfung nicht mehr als sechs Monate liegen, und die praktische Prüfung muss innerhalb von sechs Monaten nach der bestandenen Theorie abgeschlossen sein.

Wo die Stellen hängen

Such mit beiden Berufsbezeichnungen, die Ergebnisse überschneiden sich nur teilweise. In der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit lieferte im September 2026 die Suche nach "Lokführer" 430 Treffer und die nach "Triebfahrzeugführer" 280, mit teilweise unterschiedlichen Arbeitgebern. Neben der Deutschen Bahn tauchen dort Unternehmen wie Flix, BLG RailTec, LEIPA Logistik, Neo Lox und SLG Spitzke Logistik auf, mit Einsatzorten von Hamburg und Maschen über Hannover, Leipzig und Duisburg bis Nürnberg und Stuttgart.

Der Bedarf ist real. Allianz pro Schiene meldete in ihrer Pressemitteilung vom 27. März 2024 einen Bestand von 58.068 beschäftigten Lokführerinnen und Lokführern in Deutschland und einen zusätzlichen Bedarf von 5.000 bis 10.000 Personen pro Jahr, um die geplante Verlagerung auf die Schiene zu schaffen. Das verschiebt die Verhandlungsposition spürbar, gerade bei Baureihen und Strecken, die gerade knapp sind.

Drei Sätze fürs Anschreiben

Mehr braucht der Einstieg nicht:

"Ich fahre seit 2019 Güterzüge auf der Relation Maschen bis Seelze und besitze Zusatzbescheinigungen für die Baureihen 185, 189 und 193. Meine letzte Betriebsdiensttauglichkeitsuntersuchung war im April 2026, der Führerschein läuft bis März 2031. Für Ihre Umläufe ab Seelze bin ich damit ohne Aufschulung einsetzbar."

Das ist konkret, prüfbar und beantwortet die Frage, die im Raum steht.

Die vier häufigsten Fehler

Erstens: Ablaufdaten fehlen. Ohne Gültigkeitsdatum wirkt jede Berechtigung unsicher. Zweitens: Streckenkenntnis wird in die Zusatzbescheinigung hineingeschrieben, obwohl sie dort laut TfV gar nicht dokumentiert wird. Drittens: Baureihen werden zu "verschiedenen Fahrzeugen" zusammengefasst und damit unbrauchbar gemacht. Viertens: Der Lebenslauf wächst auf vier Seiten, obwohl die Bundesagentur für Arbeit zwei DIN-A4-Seiten als Obergrenze nennt.

Wenn du die Struktur einmal sauber aufsetzt, trägt sie jahrelang. Du tauschst nach jeder Aufschulung eine Baureihe nach, nach jeder Streckenkundefahrt eine Relation und nach jeder Untersuchung ein Datum. Mit dem geführten Editor von Laddro kannst du diesen Aufbau direkt anlegen und die Nachweise sauber formatiert halten: Lebenslauf erstellen.

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