Bewerbungsfoto 2026: Braucht man das wirklich noch?
In den USA undenkbar, in Deutschland Standard. Die Debatte ums Bewerbungsfoto wird heißer. Hier ist, was du 2026 wirklich tun solltest.
Laddro Team

In den USA würde ein Bewerbungsfoto sofort dazu führen, dass dein Lebenslauf im Papierkorb landet. Diskriminierungsrisiko. In Großbritannien genauso. In Frankreich wird davon abgeraten.
In Deutschland? Da erwartet fast jeder Personaler immer noch ein Foto oben rechts auf dem Lebenslauf.
Was das Gesetz sagt
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), seit 2006 in Kraft, ist eindeutig: Kein Arbeitgeber darf ein Bewerbungsfoto verlangen. Es ist rechtlich freiwillig. Arbeitgeber dürfen Bewerber nicht aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft oder Aussehen benachteiligen.
Aber „freiwillig" bedeutet in der deutschen Bewerbungskultur etwas anderes als im Rest der Welt. Es bedeutet: Technisch musst du keins beifügen. Praktisch wirst du schief angeschaut, wenn du es nicht tust.
Was die Forschung zeigt
Studien belegen, was viele vermuten: Bewerber mit „klassisch attraktiven" Fotos werden tendenziell häufiger zu Gesprächen eingeladen, unabhängig von ihrer Kompetenz. Das ist genau das Problem, vor dem das AGG schützen soll.
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat in Forschungsprojekten zu Diskriminierung in Stellenanzeigen dokumentiert, dass das Foto nach wie vor ein Einfallstor für unbewusste Vorurteile ist: Alter, Herkunft, Attraktivität, Gewicht. Auch Studien zeigen, dass Menschen mit türkisch klingendem Namen deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben als Menschen mit deutsch klingendem Namen. Ein Foto verstärkt diese Vorurteile.
Die Antidiskriminierungsstelle empfiehlt deshalb, auf Bewerbungsfotos zu verzichten oder anonymisierte Verfahren zu nutzen.
Was du 2026 tun solltest
Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an, wo du dich bewirbst.
Traditionelle Unternehmen, Mittelstand, öffentlicher Dienst: Füge ein professionelles Foto bei. Diese Arbeitgeber erwarten es, und ein fehlendes Foto wird oft als Nachlässigkeit interpretiert, nicht als bewusste Entscheidung.
Tech, Startups, internationale Konzerne: Hier kannst du das Foto weglassen. Unternehmen wie SAP, Siemens und die Deutsche Telekom setzen zunehmend auf anonymisierte Bewerbungsverfahren. Schau dir die Karriereseite des Unternehmens an. Wenn dort Diversität und Chancengleichheit betont werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Foto nicht erwartet wird.
Bewerbung in Österreich: Ähnlich wie in Deutschland. Das Foto ist kulturell verankert, auch wenn es rechtlich nicht erforderlich ist.
Bewerbung in der Schweiz: Kommt auf den Kanton und die Branche an. In der Deutschschweiz wird ein Foto häufiger erwartet als in der Romandie.
Wenn du ein Foto beifügst: So machst du es richtig
Professioneller Fotograf. Das kostet 50 bis 150 Euro. Ein Selfie oder ein Urlaubsfoto mit abgeschnittenem Hintergrund ist kein Ersatz. Das Bewerbungsfoto ist in Deutschland Teil des ersten Eindrucks, und dieser Eindruck muss professionell sein.
Kleidung passend zur Branche. Bankwesen: Anzug oder Bluse. Kreativbranche: Etwas lockerer, aber gepflegt. Trage das, was du im Bewerbungsgespräch tragen würdest.
Hintergrund neutral. Einfarbig oder leicht unscharf. Kein Bücherregal, kein Strand, kein Wohnzimmer.
Aktuell. Das Foto sollte nicht älter als zwei Jahre sein. Wenn der Personaler dich beim Vorstellungsgespräch nicht wiedererkennt, hast du ein Problem.
Wenn du kein Foto beifügst
Wenn du dich bewusst dagegen entscheidest, steh dazu. Aber rechne damit, dass manche Personaler es bemerken. Dein Lebenslauf muss dann umso stärker sein. Wenn der erste visuelle Eindruck fehlt, muss der inhaltliche Eindruck sofort überzeugen.
Wohin sich die Kultur entwickelt
Die gute Nachricht: Die Bewegung geht in Richtung weniger Fotos. Das AGG wird strenger ausgelegt. Große Konzerne setzen auf anonymisierte Verfahren. Jüngere Personalverantwortliche, die im internationalen Kontext ausgebildet wurden, sehen das Foto kritischer als ihre Vorgänger.
In fünf bis zehn Jahren wird das Bewerbungsfoto in Deutschland vermutlich die Ausnahme sein, nicht die Regel. Aber 2026 sind wir noch nicht so weit.
Die pragmatische Strategie: Informiere dich über das Unternehmen. Wenn du unsicher bist, füge ein professionelles Foto bei. Wenn du weißt, dass das Unternehmen modern aufgestellt ist, lass es weg.
Und egal ob mit oder ohne Foto: Was zählt, ist der Inhalt deines Lebenslaufs. Wenn du Hilfe brauchst, deine Bewerbungen zu organisieren, probier Laddro aus.