Elternzeit und Karriere: Warum der Wiedereinstieg so schwer ist
46% der Väter beziehen Elterngeld, aber im Schnitt nur 2,8 Monate. Mütter 11,6 Monate. Die Karrierefolgen sind ungleich verteilt.
Laddro Team

In Deutschland haben Eltern einen gesetzlichen Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit pro Kind. Das ist im internationalen Vergleich großzügig. Aber die Art, wie diese Zeit genutzt wird und welche Konsequenzen sie hat, ist alles andere als gerecht.
Die Zahlen
Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) lag der Anteil der Väter, die Elterngeld beziehen, 2022 bei 46 Prozent. Das klingt nach großer Fortschritt. Aber die Dauer erzählt eine andere Geschichte:
Frauen beziehen im Schnitt 11,6 Monate Elterngeld. Männer nur 2,8 Monate.
Das Standardmodell ist immer noch: Mutter nimmt 12 Monate, Vater nimmt die zwei „Partnermonate" (die sonst verfallen würden), und dann geht alles „zurück zur Normalität". Nur dass die Normalität für die Mutter oft eine andere ist als vorher.
Destatis berichtet weiter: 2024 waren knapp ein Viertel aller Mütter mit einem jüngsten Kind unter 6 Jahren in Elternzeit. Bei Vätern? Nur 1,8 Prozent. Die Elternzeitquote bei Müttern mit Kindern unter drei Jahren lag mit 44,3 Prozent deutlich höher.
Was die Bertelsmann Stiftung herausgefunden hat
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung von März 2025 bringt es auf den Punkt: Frauen und Männer wollen die bezahlte Elternzeit gleichmäßig aufteilen, tun es aber nicht.
Die Gründe sind vielfältig: finanzielle Anreize (wer mehr verdient, nimmt weniger Elternzeit), gesellschaftliche Erwartungen, und fehlende Vorbilder im Umfeld. Das Ergebnis: Ein Kind zu bekommen wirkt sich nach wie vor eher für Frauen negativ auf die Karriere aus.
Wenn Väter länger Elternzeit nehmen
Das IAB (Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung) hat in einer 2025 veröffentlichten Studie gezeigt: Väter, die länger in Elternzeit sind, arbeiten auch längerfristig weniger Stunden pro Woche. Das klingt negativ, ist aber ein Zeichen dafür, dass längere Elternzeit bei Vätern zu einer dauerhaft gleichmäßigeren Aufteilung der Familienarbeit führt.
Die Forschung zeigt auch: Wenn Väter statt zwei Monate vier bis sechs Monate Elternzeit nehmen, unterbrechen Frauen im Mittel nur noch acht statt 11,6 Monate ihre Erwerbstätigkeit.
Die Karrierefalle Teilzeit
Der Anstieg der erwerbstätigen Mütter in Teilzeit mit jüngstem Kind unter 6 Jahren seit 2023 zeigt laut Destatis einen Trend: Mütter entscheiden sich für einen früheren Wiedereinstieg, aber in Teilzeit.
Das Problem: Teilzeit kann zur Falle werden. Weniger Stunden bedeuten weniger Gehalt, weniger Rente, weniger Beförderungschancen. Und viele Frauen bleiben dauerhaft in Teilzeit, auch nachdem die Kinder längst in der Schule sind.
Die gesetzlichen Änderungen 2025
Die Bundesregierung hat das Elterngeld reformiert. Für Geburten ab 1. April 2025 gelten neue Regelungen, die unter anderem die Einkommensgrenze für den Elterngeldanspruch anpassen. Informiere dich beim Bundesministerium für Familie (BMBFSFJ) über die aktuellen Regelungen, da sie sich direkt auf deine finanzielle Planung auswirken.
Tipps für den Wiedereinstieg
Plane den Wiedereinstieg vor der Elternzeit. Sprich mit deinem Arbeitgeber über deine Pläne, bevor du gehst. Kläre Erwartungen und Möglichkeiten.
Nutze die Brückenteilzeit. In Unternehmen mit mehr als 45 Mitarbeitern hast du das Recht auf befristete Teilzeit (§ 9a TzBfG). Du kannst reduzieren und hast die Garantie, zur Vollzeit zurückzukehren.
Halte den Kontakt. Bleib während der Elternzeit in Kontakt mit Kollegen und Vorgesetzten. Gelegentliche Teamevents oder Informationsaustausch halten dich sichtbar.
Weiterbildung in der Elternzeit. Online Kurse, Zertifikate, Fachbücher. Die Elternzeit ist auch eine Chance, Fähigkeiten aufzubauen, die deine Rückkehr stärken.
Lass dich nicht unter Wert verkaufen. Wenn du nach der Elternzeit eine neue Stelle suchst, bewerte dich nicht selbst ab. Deine Erfahrung vor der Pause zählt. Nutze Laddro, um den Markt zu sondieren und zu sehen, was Positionen in deinem Bereich wert sind.