Netzwerken in Deutschland: XING, LinkedIn und Vitamin B
Netzwerken ist in Deutschland entscheidend für die Karriere. XING oder LinkedIn? Wie Vitamin B funktioniert und wie du es für dich nutzt.
Laddro Team

In Deutschland gibt es einen Begriff für berufliche Kontakte, der alles sagt: Vitamin B. B wie Beziehungen. Und egal, wie gut dein Lebenslauf ist, ohne die richtigen Kontakte bleibt er manchmal ungelesen.
Das klingt unfair. Ist es auch. Aber so funktioniert der Arbeitsmarkt. Nicht nur in Deutschland, aber hier auf eine besondere Art.
Warum Netzwerken in Deutschland anders ist
Deutsche sind nicht gerade für ihre Offenheit gegenüber Fremden bekannt. Das Klischee stimmt teilweise: Im Vergleich zu den USA oder Großbritannien sind berufliche Beziehungen in Deutschland formeller, langsamer und schwerer aufzubauen.
Aber wenn sie einmal stehen, sind sie stabil. Deutsche Geschäftsbeziehungen basieren auf Vertrauen und Verlässlichkeit. Wer einmal in einem Netzwerk drin ist, kann sich darauf verlassen.
Das Problem: Reinzukommen dauert.
XING vs. LinkedIn: Die ewige Frage
Deutschland ist weltweit eines der wenigen Länder, in denen neben LinkedIn eine zweite Plattform relevant ist: XING. Aber wie relevant ist XING noch?
XING hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Plattform konzentriert sich zunehmend auf den deutschsprachigen Raum und positioniert sich als Karrierenetzwerk mit Fokus auf Stellensuche und Arbeitgeberbewertungen. Für bestimmte Branchen und Regionen ist XING weiterhin wichtig. Besonders im Mittelstand, in Verwaltung und im Handwerk wird XING genutzt.
LinkedIn hat in Deutschland stark zugelegt und ist vor allem in internationalen Unternehmen, in der Tech-Branche und bei jüngeren Fachkräften die erste Wahl. Die Content-Funktion macht LinkedIn zudem zu einer Plattform, auf der man sich als Experte positionieren kann.
Die ehrliche Antwort: Habe Profile auf beiden Plattformen. Investiere mehr Zeit in die, die in deiner Branche relevanter ist. Im Zweifel ist es LinkedIn.
Wie Vitamin B wirklich funktioniert
Vitamin B hat in Deutschland einen etwas negativen Beigeschmack. Es klingt nach Vetternwirtschaft und Seilschaften. Und ja, das gibt es auch. Aber in den meisten Fällen ist Vitamin B nichts anderes als: Leute kennen, die dich empfehlen können.
Verdeckter Stellenmarkt. Schätzungen zufolge werden 30-40% der Stellen in Deutschland nie öffentlich ausgeschrieben. Sie werden intern besetzt oder über Empfehlungen vergeben. Wer gut vernetzt ist, erfährt von diesen Stellen.
Empfehlungen wiegen schwer. Wenn ein vertrauenswürdiger Mitarbeiter jemanden empfiehlt, hat diese Bewerbung sofort Vorrang. Nicht weil sie besser ist, sondern weil sie vorab gefiltert wurde. Das Unternehmen vertraut dem Urteil des Mitarbeiters.
Netzwerk-Events sind echt. Messen, Branchentreffen, IHK-Veranstaltungen, Alumni-Treffen. In Deutschland gibt es ein dichtes Netz an Veranstaltungen, bei denen berufliche Kontakte geknüpft werden. Wer nie hingeht, verpasst Chancen.
Netzwerken für Introvertierte
Nicht jeder ist der Typ für Small Talk beim Stehempfang. Das muss auch nicht sein. Netzwerken geht auch anders:
Online-Kommentare. Kommentiere regelmäßig Beiträge in deiner Branche auf LinkedIn oder XING. Nicht mit "Toller Beitrag!", sondern mit echten Gedanken. Das fällt auf.
Fachgruppen. Tritt Gruppen bei, die zu deinem Fachgebiet passen. Beteilige dich an Diskussionen. Teile dein Wissen.
Eins-zu-eins-Gespräche. Statt auf große Events zu gehen, vereinbare gezielte Kaffee-Termine mit einzelnen Kontakten. Das ist weniger anstrengend und oft produktiver.
Eigene Inhalte teilen. Schreib einen Fachartikel, teile eine Erfahrung, stelle eine Frage. Content, der Mehrwert bietet, zieht die richtigen Kontakte an.
Die häufigsten Netzwerk-Fehler
Nur melden, wenn man etwas braucht. Das merkt jeder. Und es zerstört Vertrauen schneller als alles andere. Pflege deine Kontakte auch dann, wenn du gerade keinen Job suchst.
Zu viel nehmen, zu wenig geben. Netzwerken ist keine Einbahnstraße. Wenn du nur um Gefälligkeiten bittest, aber nie selbst hilfst, wird dein Netzwerk austrocknen.
Falsche Kontakte sammeln. 500 LinkedIn-Kontakte, die du nicht kennst, sind weniger wert als 50, mit denen du regelmäßig im Austausch bist. Qualität schlägt Quantität.
Kein aktuelles Profil. Dein LinkedIn- oder XING-Profil ist dein digitaler Lebenslauf. Wenn es veraltet ist, schadet es dir mehr, als wenn du gar keins hättest.
Netzwerken und Lebenslauf gehören zusammen
Dein berufliches Netzwerk und dein Lebenslauf erzählen die gleiche Geschichte. Dein Profil auf LinkedIn sollte zu deinem Lebenslauf passen. Nicht identisch sein, aber konsistent.
Wenn dein Netzwerk dir eine Tür öffnet, muss dein Lebenslauf den Rest erledigen. Die Empfehlung bringt dich auf den Tisch des Personalers. Der Lebenslauf entscheidet, ob du dort bleibst.
Laddro hilft dir, einen Lebenslauf zu erstellen, der zum Netzwerk passt und überzeugt, wenn es zählt.