Probezeit überleben: Was in den ersten 6 Monaten wirklich zählt
Jeder Dritte hat schon einmal in der Probezeit gekündigt. Hier erfährst du, worauf es wirklich ankommt und welche Fehler dich den Job kosten können.
Laddro Team

Du hast den Vertrag unterschrieben. Glückwunsch. Jetzt fängt der eigentliche Test an.
In Deutschland dauert die Probezeit in der Regel sechs Monate. In dieser Zeit können beide Seiten das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von nur zwei Wochen kündigen. Kein Grund nötig. Kein Kündigungsschutz nach dem KSchG. Einfach Schluss.
Und das passiert häufiger als man denkt. Eine Umfrage des Jobportals Indeed aus dem Jahr 2024 zeigt: Jeder Dritte hat schon einmal während der Probezeit gekündigt, 33 Prozent davon in den vergangenen drei Jahren. Gleichzeitig belegen Studien: Unternehmen, die für ein gutes Onboarding in der Probezeit sorgen, senken die Kündigungsquote in dieser Phase um mehr als zwei Drittel.
Die meisten Menschen verlieren ihren Job in der Probezeit nicht wegen schlechter Leistung. Sie scheitern an Dingen, die nichts mit ihrer fachlichen Kompetenz zu tun haben.
Was in der Probezeit wirklich bewertet wird
Dein Chef weiß, dass du die Stelle noch nicht perfekt beherrschst. Das erwartet niemand. Was in den ersten Monaten bewertet wird, ist etwas anderes:
Passt du ins Team? Fachliches kann man lernen. Zwischenmenschliches nicht. Wenn du ständig aneckst, Meetings dominierst oder dich isolierst, wird das schneller zum Problem als jeder fachliche Fehler.
Wie gehst du mit Feedback um? In der Probezeit wirst du korrigiert. Viel. Die Frage ist nicht, ob du Fehler machst. Die Frage ist, wie du darauf reagierst. Wer defensiv wird oder Fehler leugnet, besteht die Probezeit selten.
Zeigst du Eigeninitiative? Es gibt einen Unterschied zwischen jemandem, der wartet, bis er etwas gesagt bekommt, und jemandem, der mitdenkt. Du musst nicht das Unternehmen umkrempeln. Aber wenn du siehst, dass etwas verbessert werden könnte, sprich es an. Als Frage formuliert, nicht als Kritik.
Bist du zuverlässig? In Deutschland ist Zuverlässigkeit die vielleicht wichtigste Eigenschaft am Arbeitsplatz. Pünktlich sein. Deadlines einhalten. Tun, was du sagst. In der Probezeit wird jede kleine Unzuverlässigkeit registriert.
Die häufigsten Fehler
Zu schnell zu viel ändern wollen. Du siehst Prozesse, die du besser machen könntest. Vielleicht hast du recht. Aber in den ersten drei Monaten solltest du verstehen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Jeder Prozess hat eine Geschichte. Wer sofort alles umkrempeln will, wird als arrogant wahrgenommen.
Den alten Job ständig erwähnen. „Bei meinem alten Arbeitgeber haben wir das anders gemacht." Diesen Satz will niemand hören. Dein altes Unternehmen ist irrelevant.
Krank zur Arbeit kommen. Viele haben Angst, sich in der Probezeit krankzumelden. Diese Angst ist verständlich, aber rechtlich unbegründet. Du hast auch in der Probezeit Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Was negativ auffällt, ist nicht die Krankmeldung selbst, sondern ein Muster: Immer montags. Immer nach dem Urlaub.
Keine Fragen stellen. Wer keine Fragen stellt, wird entweder als desinteressiert oder als überheblich wahrgenommen. Frag nach. Frag viel. Das zeigt, dass du lernen willst.
Monat für Monat
Monat 1 bis 2: Zuhören und lernen
Dein einziger Job in den ersten Wochen ist es, die Kultur zu verstehen. Nicht die offizielle Unternehmenskultur auf der Website. Die echte. Wie kommunizieren die Leute? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wer hat informellen Einfluss?
Monat 3 bis 4: Zeigen, was du kannst
Such dir ein kleines Problem, das niemand löst, weil es nicht wichtig genug erscheint. Löse es. Bitte um ein Feedbackgespräch mit deinem Vorgesetzten. Nicht das formelle Probezeitgespräch. Ein ehrliches Gespräch: „Wie läuft es aus deiner Sicht?"
Monat 5 bis 6: Absichern
Spätestens jetzt sollte klar sein, ob du bleibst. Wenn dein Chef dir kein Feedback gibt, frag aktiv nach.
Deine Rechte in der Probezeit
Viele Arbeitnehmer kennen ihre Rechte in der Probezeit nicht:
Urlaub: Du hast vom ersten Tag an Anspruch auf anteiligen Urlaub. Dein Arbeitgeber darf dir das nicht verweigern. Der volle Jahresurlaubsanspruch entsteht nach sechs Monaten.
Krankmeldung: Auch in der Probezeit greift die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Ab dem ersten Krankheitstag musst du deinen Arbeitgeber informieren, ab dem dritten Tag brauchst du in der Regel ein Attest.
Kündigung: Die zweiwöchige Kündigungsfrist gilt für beide Seiten. Diskriminierende Gründe sind auch in der Probezeit verboten (AGG).
Betriebsrat: Wenn dein Unternehmen einen Betriebsrat hat, muss dieser vor jeder Kündigung angehört werden. Auch in der Probezeit.
Die Probezeit ist eine Zweibahnstraße
Vergiss nicht: Du testest das Unternehmen genauso wie es dich testet. Stimmen die Versprechen aus dem Bewerbungsgespräch? Ist die Teamkultur so, wie sie beschrieben wurde?
Wenn du merkst, dass der Job nicht passt, ist das kein Versagen. Es ist eine Erkenntnis, die dir Jahre in einer falschen Position spart.
Wenn du gerade in der Probezeit bist oder eine neue Stelle suchst, kann Laddro dir helfen, den Überblick über deine Bewerbungen und Karriereschritte zu behalten.