Überblick
Grafik-Designer haben es bei Bewerbungen besonders schwer. Das Portfolio zeigt die kreative Arbeit, aber der Lebenslauf muss die berufliche Substanz dahinter vermitteln. Viele Lebensläufe von Designern listen nur Tools auf (Adobe, Figma, Sketch) und vergessen die eigentliche Frage: Was hast du gestaltet und was hat es bewirkt?
Dieser Lebenslauf gehört Timo Richter, einem Grafik-Designer mit sechs Jahren Erfahrung in Wien. Er arbeitet bei Demner, Merlicek & Bergmann und gestaltet visuelle Identitäten für Kunden wie die Österreichische Post und Manner. Vorher war er bei Mutabor in Hamburg und hat dort am Rebranding der Hamburger Hochbahn mitgearbeitet.
Das Profil: Kunden nennen, nicht nur Fähigkeiten
Timos Zusammenfassung nennt die Agentur, die Kunden und die Stärken. "Stark in Typografie, Layoutgestaltung und der Umsetzung konsistenter Markenwelten über alle Touchpoints." Das ist keine leere Selbstbeschreibung, sondern eine fachliche Positionierung.
Wenn du für bekannte Marken gearbeitet hast, nenne sie. Das schafft sofort Glaubwürdigkeit. Wenn deine Kunden kleiner sind, beschreibe stattdessen die Art der Projekte: "Corporate Design für mittelständische Unternehmen im Gesundheitsbereich" ist besser als gar kein Kontext.
Berufserfahrung: Projekte und Reichweite
Designer neigen dazu, ihre Arbeit abstrakt zu beschreiben. "Gestaltung visueller Kommunikation" klingt nach Stellenbeschreibung. Timo macht es besser:
"Corporate-Design-Relaunch für die Österreichische Post - 180+ Anwendungen von Briefpapier bis Fahrzeugbeschriftung"
"Packaging-Design für Manner Neapolitaner Limited Edition - 2,4 Mio. verkaufte Einheiten"
Die Zahlen sind der Schlüssel. 180 Anwendungen zeigt den Umfang. 2,4 Millionen verkaufte Einheiten zeigt die Reichweite des Designs.
Nicht jedes Designprojekt hat Verkaufszahlen. Aber es gibt fast immer eine Metrik: Anzahl der Anwendungen, Reichweite der Kampagne, Seitenumfang des Geschäftsberichts, Zahl der Haltestellen im Leitsystem. Finde deine Zahl.
Ausbildung und Auszeichnungen
Timos Bachelor an der Universität für angewandte Kunst Wien wird durch eine wichtige Zusatzinfo wertvoll: Die Diplomarbeit über Typografie im urbanen Raum wurde mit dem Universitätspreis ausgezeichnet. Solche Details gehören in den Lebenslauf. Sie zeigen, dass die akademische Arbeit über den Durchschnitt hinausgeht.
Skills: Werkzeuge und Fachgebiete trennen
Die Skill-Liste mischt absichtlich Software und Fachkompetenz. Adobe Creative Suite steht neben Typografie und Layoutgestaltung. Corporate Design neben Packaging Design. Motion Graphics neben Farbmanagement.
Das funktioniert, weil ein Creative Director beides wissen will: Welche Software beherrschst du und welche gestalterischen Disziplinen? Wenn du dich auf Printproduktion spezialisiert hast, dann nenne das. Wenn du Motion Graphics kannst, ebenso.
Die Projekt-Sektion als Vertiefung
Der Corporate-Design-Relaunch der Österreichischen Post wird im Erfahrungsbereich erwähnt und im Projektbereich vertieft. Dort stehen die Details: 180 Anwendungen, 120-seitiges Brand Manual, Koordination mit 4 Druckereien. Diese Struktur erlaubt es, im Erfahrungsbereich knapp zu bleiben und im Projektbereich die Tiefe zu zeigen.
Template: Warum Fern?
Für einen Grafik-Designer ist die Template-Wahl auch eine Arbeitsprobe. Timo nutzt Fern, ein Template, das etwas mehr gestalterischen Spielraum bietet als die rein funktionalen Varianten. Es ist trotzdem gut lesbar und strukturiert. Für kreative Berufe darf das Template etwas mehr Persönlichkeit zeigen, solange die Lesbarkeit nicht leidet.
Tipp für Berufseinsteiger
Wenn du noch wenige Kundenprojekte hast, nutze deine Hochschulprojekte und Freelance-Arbeiten. Beschreibe sie mit denselben Metriken: Umfang, Reichweite, Anzahl der Varianten. Ein Logo-Redesign für einen lokalen Verein ist ein gültiges Projekt, wenn du es richtig beschreibst.
Checkliste
- Nennst du konkrete Kunden oder Marken?
- Hat jeder Bullet Point eine Zahl oder einen Umfang?
- Zeigen deine Skills sowohl Software als auch Fachkompetenz?
- Passt dein Template zu deiner gestalterischen Positionierung?




