Überblick
Die meisten Lebensläufe von Frontend-Entwicklern sehen gleich aus. React, TypeScript, irgendwas mit CSS, ein vager Hinweis auf agile Arbeitsweise. Recruiter in Tech-Unternehmen sehen Hunderte solcher Dokumente pro Woche. Die Unterschiede verschwimmen.
Dieses Lebenslauf-Beispiel gehört Niklas Breitfeld, einem Frontend-Entwickler mit vier Jahren Erfahrung aus Hamburg. Er arbeitet aktuell bei der Allianz SE am Kundenportal, das 1,4 Millionen aktive Nutzer hat. Davor hat er bei About You E-Commerce-Frontends gebaut. Zwei unterschiedliche Branchen, aber ein gemeinsamer Nenner: performante Webanwendungen, die von sehr vielen Menschen benutzt werden.
Wir schauen uns an, was dieser Lebenslauf richtig macht und was du davon für deine eigene Bewerbung nutzen kannst.
Das Profil: Kurz, konkret, wirkungsvoll
Niklas' Zusammenfassung ist drei Sätze lang. Darin steckt: vier Jahre Erfahrung, die Technologien React und TypeScript, die aktuelle Position mit einer konkreten Nutzerzahl und der vorherige Arbeitgeber als Kontext.
Was da nicht drinsteht: kein "engagierter Entwickler", keine Auflistung von 20 Technologien, kein Satz über persönliche Stärken.
Probier das für deinen Lebenslauf: Schreib zwei bis drei Sätze. Satz eins sagt, was du machst und wie lange. Satz zwei nennt das Beeindruckendste an deiner aktuellen Stelle. Alles andere streichen.
Berufserfahrung: Zahlen statt Aufgabenbeschreibungen
Der Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem starken Lebenslauf liegt in den Bullet Points. Schau dir den Unterschied an:
Schwach:
"Weiterentwicklung des Kundenportals mit React und Next.js"
Stark:
"Kundenportal mit 1,4 Millionen aktiven Nutzern in React und Next.js weiterentwickelt"
Beide Sätze beschreiben die gleiche Arbeit. Aber der zweite gibt dem Recruiter einen Maßstab. 1,4 Millionen Nutzer sagt etwas über die Komplexität, die Verantwortung und die Skalierungsanforderungen.
Niklas nutzt dieses Prinzip konsequent. Ladezeiten um 58 % reduziert. Barrierefreiheits-Score von 47 auf 96 Punkte verbessert. Design-System mit 32 wiederverwendbaren Komponenten aufgebaut. Jeder Bullet Point hat eine Zahl.
Die Formel ist einfach: Was du gebaut hast + womit + was sich dadurch verändert hat.
Was tun mit der ersten Stelle?
Beim Einstieg bei About You gab es noch keine riesigen Nutzerzahlen. Trotzdem funktionieren die Bullets, weil sie Ergebnisse zeigen:
"Produktdetailseite überarbeitet - Conversion Rate um 4,7 % gesteigert"
Und sogar die Werkstudentenstelle bei XING hat Substanz:
"Migration von 12 Seitenmodulen von Ember.js zu React durchgeführt"
Keine Weltneuheit. Aber es zeigt, dass Niklas technische Migrationen beherrscht und nicht nur neue Features aufsetzt. Wenn du deine erste oder zweite Stelle beschreibst, frag dich: Was hat sich verändert, weil ich da war? Wurde etwas schneller, einfacher oder zuverlässiger?
Skills: Weniger ist mehr
Der Lebenslauf listet 10 Skills. Nicht 30. React & Next.js, TypeScript, HTML/CSS, Tailwind, JavaScript, Storybook, Jest & Cypress, Webpack & Vite, Git und Figma.
Das ist eine fokussierte Auswahl, die sagt: Diese Tools nutze ich täglich und kann im Gespräch ins Detail gehen. Wer alles auflistet, was er in Tutorials gesehen hat, verwässert die Aussagekraft.
Ein Tipp: Gruppiere deine Skills, wenn du mehr Platz hast.
- Sprachen: TypeScript, JavaScript
- Frameworks: React, Next.js
- Testing: Jest, Cypress
- Tooling: Webpack, Vite, Git
Das macht es dem Recruiter und dem ATS-System leichter, dich zuzuordnen.
Zertifikate und Projekte
Niklas hat das Google UX Design Certificate und den ISTQB Certified Tester. Beide sind nicht zwingend nötig, aber sie zeigen zwei Dinge: Er versteht die Nutzerperspektive und er nimmt Testing ernst.
Die Projekte sind klug gewählt. Das Design-System bei der Allianz wird im Erfahrungsbereich erwähnt und im Projektbereich vertieft. Da steht dann: 32 Komponenten, 40 % weniger Entwicklungszeit, 4 Teams nutzen es. Das ist kein Widerspruch zum Erfahrungsbereich, sondern eine Vertiefung.
Extracurriculares: Ja, das zählt
Die Hamburg.js Meetup-Vorträge und die ehrenamtliche Webentwicklung für die Hamburger Tafel sind keine Füllmasse. Sie zeigen, dass Niklas aktiv in der Community ist und sein Wissen teilt. Für Recruiter im Tech-Bereich ist das ein Signal: Dieser Mensch bleibt am Puls der Entwicklung.
Template und Layout
Der Lebenslauf nutzt das Emerald-Template. Einspaltiges Layout, klare Struktur, ATS-freundlich. Für Frontend-Entwickler könnte man auch ein etwas kreativeres Template wählen, aber die sichere Variante hat einen Vorteil: Sie funktioniert überall. Bei Konzernen wie der Allianz geht der Lebenslauf fast immer durch ein ATS, bevor ein Mensch ihn liest.
Was du mitnehmen solltest
Wenn du deinen Frontend-Entwickler-Lebenslauf überarbeitest, prüfe diese Punkte:
- Hat jeder Bullet Point eine messbare Auswirkung?
- Ist dein Profil unter drei Sätzen?
- Listets du weniger als 12 Skills?
- Zeigen deine Projekte echte Ergebnisse?
Wenn du alle vier Fragen mit Ja beantworten kannst, bist du den meisten Bewerbern einen Schritt voraus.











